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«Ich gehe davon aus, dass wir uns weiter Richtung Nachhaltigkeit bewegen»

Nachhaltige Anlagen: Wohin führt die Reise? Sabine Döbeli, CEO von Swiss Sustainable Finance, schaut für uns in die Zukunft und erläutert, was wir punkto Portfoliokonstruktion, Reportings und Regulatorien erwarten können. Und, warum Engagement manchmal besser ist als Ausschluss.

Frau Döbeli, das Thema Nachhaltigkeit ist zurzeit sehr präsent in den Medien. Zum Beispiel im Zusammenhang mit den Klimastreiks. Wie beeinflusst das die nachhaltigen Anlagen?

Das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln – auch im Finanzbereich – hat sicher zugenommen. Klimaeffiziente Anlagestrategien gewinnen an Bedeutung und gerade auch institutionelle Anleger beschäftigen sich damit und verlangen vermehrt nachhaltige Lösungen. Auch auf politischer Ebene tut sich einiges. Zurzeit laufen diverse Vorstösse, die sich mit Nachhaltigkeit im Finanzsektor beschäftigen.

Rechnen Sie in nächster Zeit mit neuen Regulatorien?

Nein, ich denke nicht, dass wir in der Schweiz bald konkrete Regulatorien in diesem Bereich haben werden. Das wird sich eher langsam entwickeln. Auf EU-Ebene sind aber bereits Regulatorien in Kraft und weitere sind geplant. So sollen beispielsweise Vermögensverwalter und Pensionskassen in Zukunft offenlegen, wie Nachhaltigkeitsfaktoren in ihre Anlageentscheidungen einfliessen. Natürlich wirken sich die EU-Regulatorien auch auf die Schweiz aus, zum Beispiel bei international tätigen Fondsanbietern.

«Ich gehe davon aus, dass wir uns weiter Richtung Nachhaltigkeit bewegen.»

Worauf läuft das hinaus? Wird es in Zukunft nur noch nachhaltige Anlagemöglichkeiten geben?

Ich gehe davon aus, dass wir uns weiter Richtung Nachhaltigkeit bewegen. Das Thema wird noch stärker in die Breite gehen und ich denke, dass zukünftig bei allen Anlageentscheiden Nachhaltigkeitskriterien miteinbezogen werden. Wahrscheinlich wird es auch in Zukunft Lösungen geben, welche die Nachhaltigkeit enger fokussieren und solche, die den Nachhaltigkeitsbegriff weiter definieren ... Sozusagen hellgrün und dunkelgrün. Sogenannte «Sin Stocks», also kontroverse Anlagen wie beispielsweise von Tabaklieferanten, wird es aber vermutlich auch in zehn Jahren noch geben. 

Was bedeutet das für die Portfoliokonstruktion?

Die Verfahren werden komplexer. Auch, weil es immer mehr Informationen gibt, zum Beispiel Ratings und Berichte, die es auszuwerten und zu berücksichtigen gilt.

«Man kann als Unternehmen nicht einfach untätig bleiben.»

Heisst das, dass die Unternehmen ihren Investoren auch immer mehr und detailliertere Informationen zur Verfügung stellen müssen?

Der Druck auf Unternehmen, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verfassen, ist bereits heute gross. Man kann als Unternehmen nicht einfach untätig bleiben. Und er wird weiter zunehmen: Immer mehr werden konkrete Zahlen und standardisierte Reportings verlangt. Das erhöht die Vergleichbarkeit und auch die Transparenz.

Eine solche Standardisierung sind auch die Sustainable Development Goals (SDG). Was halten Sie davon?

Ich finde, die SDG bieten eine riesige Chance! Hier hat sich die Weltgemeinschaft auf 17 gemeinsame Ziele für eine weltweite nachhaltige Entwicklung bis 2030 geeinigt. Alle arbeiten zusammen auf etwas hin. Die Ziele sind sehr umfassend und natürlich ambitioniert. Aber sie machen auch fassbar, was nachhaltige Entwicklung eigentlich bedeutet. Und es ist beeindruckend, was die SDG bis jetzt ausgelöst haben: Immer mehr Staaten und Unternehmen richten sich danach aus. Auch zum Beispiel Entwicklungsländer wie Bangladesch, Guatemala oder Sierra Leone, von denen man dies vielleicht nicht erwarten würde, befassen sich aufgrund der SDG nun aktiver mit Nachhaltigkeitsfragen.

«Aus globaler Nachhaltigkeitssicht ist Ausschluss nicht immer das Richtige.»

Nun gibt es ja Unternehmen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, aber zum Beispiel aufgrund ihrer Branche durch die Ausschlusskriterien von nachhaltigen Fonds ausgeschlossen werden. Sie haben also keinen Anreiz, sich zu verbessern. Ist eine Zukunft mit rein nachhaltigen Fonds aus einer globalen Nachhaltigkeitssicht überhaupt zielführend?

Heute ist eigentlich noch recht wenig über die konkreten Auswirkungen von Ausschlusskriterien auf die ausgeschlossenen Unternehmen bekannt – sprich: Es ist unklar, wie viel Druck seitens Markt nötig ist, damit ein Unternehmen sich verändert. Es gibt positive Beispiele von Unternehmen, wie den amerikanischen Mischkonzern Textron, der auf Druck der Investoren den Unternehmensbereich Streubomben und Landminen verkauft hat. Es gibt aber auch andere Unternehmen, bei denen es bis jetzt nichts genützt hat. Ich denke, aus globaler Nachhaltigkeitssicht ist Ausschluss nicht immer das Richtige.

Was ist die Alternative?

Für mich stellt sich die Frage: Ausschluss oder Engagement? Ausschluss hat sicher eine Signalwirkung und kann Unternehmen zum Handeln bewegen. Schlussendlich bleiben die Wertpapiere aber am Markt – wenn sie der eine nicht mehr kauft, dann kauft sie einfach der andere. Deshalb glaube ich, dass Engagement direkter wirkt.

«Egal, ob ich direkt mitrede oder einfach nicht investiere – beides gibt dem Unternehmen zu verstehen, dass es sich jetzt in puncto Nachhaltigkeit verbessern muss.»

Wie?

Beim Engagement bleiben die Anleger bewusst in den «schlechten» Firmen investiert. Sie sind aber nicht einfach passive Investoren, sondern reden aktiv mit, beeinflussen das Geschäftsmodell und stehen in stetem Dialog mit dem Unternehmen. Wenn sie mit grossem Kapitaleinsatz in das Unternehmen investiert sind, hat ihre Meinung Gewicht, und sonst können sie sich mit anderen Investoren zusammenschliessen. Natürlich haben private Anleger diese Möglichkeit weniger. Sie fahren mit einem standardisierten Nachhaltigkeitsansatz besser. Aber grosse, institutionelle Anleger können so durchaus etwas bewirken – wenn sie den Mehraufwand, den dieser ständige Dialog erfordert, nicht scheuen. Am Ende geht es um die Botschaft. Egal, ob ich direkt mitrede oder einfach nicht investiere – beides gibt dem Unternehmen zu verstehen, dass es sich jetzt in puncto Nachhaltigkeit verbessern muss.

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