KMU

Unternehmensnachfolge bei der Kunstreich AG: drei Betriebe, eine gemeinsame Zukunft

Vier Personen bei der Schlüsselübergabe an Kunstreich, zwei von ihnen halten gemeinsam einen grossen Schlüssel.
Geht es um hochwertige Raumausstattung, Einrahmungen, Polster, Kunst im Raum und an der Wand ist die Kunstreich AG die Anlaufstelle in der Region Bern. Hinter dem Unternehmen stehen heute drei Betriebe und mehrere Generationen, die im Rahmen einer gemeinsamen Nachfolgelösung zusammengeführt wurden. Begleitet wurde der Prozess vom BEKB-Team Wealth Planning Spezialberatungen. Das Beispiel zeigt: Eine erfolgreiche Nachfolge beginnt nicht mit Verträgen, sondern mit Zuhören und einem Zielbild, das alle mittragen. 

Wer ein Lebenswerk weitergibt, übergibt mehr als Zahlen, Verträge und Vermögenswerte. Es geht um Verantwortung, Erwartungen, Familiengeschichte und die Frage, wie die Zukunft aussehen soll. Bei der Kunstreich AG, Kreativreich und der Mäder Wohnkunst AG kam zusätzlich eine besondere Ausgangslage dazu: Drei Betriebe sollten unter einem Dach zusammenfinden – zwei davon mit langer Familientradition. Damit daraus eine tragfähige Lösung entstehen konnte, brauchte es Zeit, Vertrauen und das richtige Zusammenspiel von Menschen und Fachwissen. 

Drei Betriebe, ein grosser Schritt

Traditionelles Handwerk, Familientradition und ein Gespür für Räume verbinden die Unternehmen Kunstreich AG, Kreativreich und Mäder Wohnkunst AG. Die drei Betriebe aus der Region Bern stehen für hochwertige Raumausstattung: Sie rahmen Bilder ein, polstern Sofas und Sessel neu, verlegen Teppiche oder sorgen mit Vorhängen für den letzten Schliff im Raum. Ausgewählte Kunstwerke aus der Galerie runden das Angebot ab und verleihen Räumen eine persönliche, unverwechselbare Atmosphäre. 

Die Kunstreich AG wurde 1933 gegründet, die Mäder Wohnkunst AG 1929. Beide Unternehmen befinden sich seit Generationen in Familienhand. Kreativreich ergänzt die beiden Traditionsbetriebe als jüngstes Unternehmen. 

Ausgangspunkt der Nachfolgeregelung war die Kunstreich AG. Marianne Reich Arn plante, ihr Unternehmen schrittweise an ihren Sohn Julien Reich weiterzugeben, den Gründer von Kreativreich. Im Verlauf des Prozesses wurde der operative Betrieb von Kreativreich in die Kunstreich AG integriert. Gleichzeitig gründete Julien Reich eine Übernahmeholding, über welche er die Aktien der Kunstreich AG schrittweise von seiner Mutter übernimmt. 

Während des Nachfolgeprozesses eröffnete sich eine weitere Chance: Beatrice Hanke wollte den operativen Bereich «Raumausstattung» der Mäder Wohnkunst AG in neue Hände geben. Da bereits eine enge Zusammenarbeit mit Julien Reich bestand, wurde auch dieser Betrieb in die Kunstreich AG integriert. Heute sind die Kompetenzen aller drei Unternehmen unter einem Dach vereint und bilden eine starke Grundlage für die Zukunft.  

Das Team Wealth Planning Spezialberatungen der BEKB begleitete den gesamten Prozess – von der ersten Standortbestimmung über die Entwicklung der passenden Nachfolgestruktur bis zur erfolgreichen Umsetzung. 

Warum Nachfolge mit Zuhören beginnt

Ein Nachfolgeprozess lässt sich nicht beschleunigen. Übergeben und Übernehmen braucht Zeit. Wer ein Lebenswerk abgibt, lässt etwas los. Wer es übernimmt, hat Erwartungen.

Zweifel, Uneinigkeiten und ausführliche Gespräche gehören zum Loslösungsprozess dazu, sagt der BEKB-Nachfolgeexperte Thomas Zimmermann: «Das Wichtigste, was ich in der Nachfolgeberatung gelernt habe, ist zuhören. Hinter jeder Nachfolge stecken Menschen mit Ängsten, Hoffnungen und unausgesprochenen Wünschen. Meine Aufgabe ist es, das zu spüren und alle dort abzuholen, wo sie stehen.» 

«Vertrauen war der Schlüssel für diese Nachfolge.»

Thomas Zimmermann, BEKB-Nachfolgeexperte

Die Grundregel bei jeder Nachfolge lautet: Wenn alle Beteiligten dasselbe Ziel verfolgen und die eigenen Interessen damit vereinbar sind, kann auch eine komplexe Struktur tragfähig gelöst werden.

Erst das Zielbild, dann die Struktur

Bevor über rechtliche oder steuerliche Fragen gesprochen wurde, stand für Thomas Zimmermann eine andere Aufgabe im Zentrum: ein gemeinsames Zielbild schaffen. In einem ersten Schritt führte er deshalb ein ausführliches Gespräch mit Marianne Reich Arn. Es ging darum, Erwartungen zu klären, Unsicherheiten anzusprechen und herauszufinden, welche Lösung für die Unternehmerin, ihren Sohn und den Betrieb langfristig stimmig ist.

Für den Nachfolgeexperten ist diese Phase entscheidend: Unternehmensnachfolgen in Familien oder bei Management-Buy-outs scheitern selten am Preis. Meist sind es Emotionen, unausgesprochene Erwartungen oder fehlende Klarheit über die Rollen. «Eine meiner Hauptaufgaben ist es, diese Emotionen anzusprechen und ihnen Raum zu geben», sagt er.

Danach folgte ein Gespräch mit der ganzen Familie – für Marianne Reich Arn ein Schlüsselmoment: «Wir haben uns mit Thomas Zimmermann sehr wohl gefühlt. Er hat uns die nötige Zeit gelassen, aber auch immer wieder einen Anstoss gegeben, vorwärtszumachen. Mit klaren Ansagen und viel Empathie hat er uns stets positiv begleitet.» 

Für sie persönlich war es dennoch keine einfache Phase: Die Preisverhandlung und die Abwicklung der Zahlung empfand sie als grösste Herausforderung, schliesslich bleibt die Firma in der Familie, eine echte Gratwanderung.

In mehreren Gesprächen entstand eine tragfähige Lösung, die von allen Beteiligten mitgetragen wurde, der wichtigste Punkt überhaupt. Erst als dieses gemeinsame Zielbild feststand, begann die rechtliche und steuerliche Umsetzung. So sieht diese aus:

  • Unter dem Dach der Kunstreich AG werden zusätzlich die operativen Betriebe der Mäder Wohnkunst AG im Bereich der Raumausstattung sowie der Kreativreich zusammengeführt.
  • Marianne Reich Arn bleibt Geschäftsführerin, ihr Sohn Julien Reich wird Co-Geschäftsführer und übernimmt ab 2028 in vierter Generation.
  • Beatrice Hanke ist im neuen Unternehmen weiterhin für die Kundschaft da.

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Komplexe Fragen unter einem Dach klären

Als das Zielbild definiert war, begann die Arbeit an der passenden rechtlichen und steuerlichen Struktur. Dabei zeigte sich, wie komplex die Ausgangslage war: Eine Aktiengesellschaft, der operative Betrieb einer Einzelfirma und ein Unternehmensteil der Mäder Wohnkunst AG mussten so zusammengeführt werden, dass daraus eine tragfähige Lösung für die Zukunft entstand.

Hier kam die Stärke des BEKB-Teams Wealth Planning Spezialberatungen zum Tragen. Spezialistinnen und Spezialisten für Unternehmensnachfolge, Steuerplanung, Nachlass- und Finanzplanung arbeiten unter einem Dach und mit kurzen Wegen zusammen. BEKB-Steuerexpertin Delphine Gribi entwickelte gemeinsam mit Thomas Zimmermann und weiteren Beteiligten das Modell für die künftige Firmenstruktur. Das Credo des Teams: so komplex wie nötig, so einfach wie möglich. Daraus entstand eine Lösung mit mehreren aufeinander abgestimmten Schritten:

  • Julien Reich verkaufte den operativen Betrieb seiner Einzelfirma an die Kunstreich AG und liquidierte die Einzelfirma anschliessend.
  • Mit dem Verkaufserlös gründete er eine Übernahmegesellschaft (Holding).
  • Diese Holding erwirbt schrittweise Aktien der Kunstreich AG von Marianne Reich Arn – eine Struktur, die rechtliche, steuerliche und finanzielle Aspekte der Nachfolge zusammenführt.
  • Frau Mäder verkaufte den operativen Betrieb im Bereich der Raumaustattung der Mäder Wohnkunst AG an die Kunstreich AG.

Für die Umsetzung arbeitete das BEKB-Team Wealth Planning Spezialberatungen eng mit externen Fachpersonen aus Treuhand, Wirtschaftsrecht und Notariat zusammen. Sie unterstützten unter anderem bei der Vertragsgestaltung, den Gründungsunterlagen und den Anmeldungen beim Handelsregisteramt. So wurde die Kundschaft in keinem Schritt allein gelassen: Die BEKB brachte die nötigen Kompetenzen zusammen, koordinierte die nächsten Schritte und begleitete den Prozess durchgehend – fachlich, persönlich und Seite an Seite. 

«Die Passion und Handwerkskunst der Familie – das hat mich bewegt.»

Delphine Gribi, Steuerexpertin BEKB

«Die Kunstreich AG zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen: die Familie, wir als Team und die externen Spezialisten. Das macht uns stolz»

Was andere KMU aus dieser Nachfolge lernen können

  • Früh starten: Nachfolge braucht Zeit, besonders bei mehreren Parteien oder komplexen Strukturen. Bei der Kunstreich AG blieben am Ende nur vier Monate für die Umsetzung. Bei einer längeren Planungsphase kann erheblicher Druck vermieden werden.
  • Erst Menschen, dann Struktur: Zielbild und Erwartungen klären, bevor über Rechtsform und Steuern gesprochen wird.
  • Offen kommunizieren: Einzel- und Familiengespräche verhindern spätere Konflikte.
  • Ganzheitlich planen: Steuer-, Nachlass-, Finanzplanungs- und Vorsorgefragen gehören zusammengedacht, nicht isoliert.
  • Externe Fachpersonen früh koordinieren: externe Experten wie Treuhänder und Notar gehören von Beginn an ins Boot. 

Das Lebenswerk bleibt lebendig

Was über Generationen aufgebaut wurde, bleibt erhalten: die Arbeitsplätze, das handwerkliche Können und die Betriebe mit ihrer langen Geschichte. Alle elf Mitarbeitenden arbeiten am gemeinsamen Standort in Muri Gümligen unter einem Dach, die Galerie an der Gerechtigkeitsgasse in Bern bleibt bestehen.

Für Thomas Zimmermann ist genau das der Kern einer gelungenen Nachfolge: «Dass ein fast hundertjähriges Unternehmen in die vierte Generation übergeht, ist alles andere als selbstverständlich. Solche Projekte sind der Grund, warum wir unsere Arbeit lieben.» 

Auch Julien Reich zieht ein positives Fazit und rät anderen Unternehmerinnen und Unternehmern: «Die Begleitung durch externe Fachpersonen bringt nur Vorteile. Sich Zeit lassen, aber dranbleiben, damit der Faden nicht abreisst.»

Das Beispiel der Kunstreich AG zeigt: Nachfolgeberatung ist mehr als eine rechtliche Transaktion. Sie bedeutet zuhören, zusammenführen und gemeinsam eine tragfähige Roadmap für die Zukunft entwickeln.

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