Familie

«Es geht immer irgendwie»

Sie lebt als Alleinerziehende mit ihren zwei Töchtern auf engem Raum und kleinem Fuss. Wie unsere Protagonistin trotz bescheidenen Mitteln ihren Weg geht, zeigt ihre Geschichte beispielhaft.

Mitten in einem beliebten Berner Wohnquartier an einer ruhigen Strasse wohnt Mona Meyer* (44) mit ihren Töchtern Nora* (13) und Luisa* (5). Die Altbauwohnung hat viel Charme, aber nur zwei Zimmer. Mona teilt sich mit der jüngeren Tochter eines davon, damit die Teenagerin ihren eigenen Raum hat. Gerade hat sich Nora mit einer Schulfreundin in ihr Zimmer verzogen, Luisa ist bei Monas Mutter auf Besuch. Frische Lilien auf dem Küchentisch duften nach Sommer und die Sonne wärmt das alte Holzparkett. Die Stimmung ist ruhig, bestimmt ist das nicht immer so. «Ich liebe meine zwei Kinder, mag das volle, intensive Leben mit ihnen sehr. Meine freien Momente geniesse ich jedoch genauso. Wohl deshalb, weil sie selten sind», sagt Mona.

Es ist das Los der Alleinerziehenden: Zeit, Geld und Energie sind knapp, der Stresspegel hoch, Unterstützung und Anlaufstellen dünn gesät. Das Thema ist mit einem Tabu behaftet – obwohl heute jede sechste Familie in dieser Situation lebt. Die Anzahl der alleinerziehenden Haushalte hat sich seit 1970 verdoppelt, in der Schweiz gibt es rund 200'000 alleinerziehende Haushalte. In rund 86 Prozent der Fälle leben die Kinder bei der Mutter. Viele Alleinerziehende kommen trotz fixem Einkommen im Alltag auf keinen grünen Zweig: Die Armutsquote bei Erwerbstätigen liegt bei 3,5 Prozent, bei Alleinerziehenden liegt sie mit 12,7 Prozent fast viermal höher. Auch Mona lebt mit ihren Töchtern bescheiden, möchte sich trotzdem nicht zu sehr abhängig machen. «Es geht schliesslich immer irgendwie», sagt sie, und man glaubt es ihr.

Anders als geplant

Monas Geschichte macht betroffen: Ihr Partner starb kurz nach der Geburt von Nora. Die junge Mutter wohnte eine Weile bei ihren Eltern, die sie in allen Belangen unterstützten. «Das war eine schwierige und traurige Zeit, aber mir blieb gar nichts anderes übrig, als einfach weiterzumachen.»
Bald fand die gelernte Grafikerin einen Teilzeitjob, eine optimale Kita-Betreuung für Nora sowie die Wohnung, in der sie noch heute lebt. Ein wichtiger Schritt in die gewünschte Unabhängigkeit. Dank dem tiefen Mietzins und mithilfe von Prämienverbilligung, Steuerentlastung, Halbwaisenrente und anderen Unterstützungsmöglichkeiten – wie Reka-Ferien oder Kultur-Legi – richtete sich Mona ihr Leben als Alleinerziehende ein (mehr s. unten). «Irgendwann konnten wir die Zeit zu zweit sogar geniessen», erzählt sie.

Wenn der Alltag auseinanderfällt

Einige Jahre später lernt Mona einen Mann kennen. Glücklich und froh, wieder in einer festen Partnerschaft zu leben, Sorgen, Ängste und Freuden teilen zu können, wagten sie gemeinsam einen weiteren Schritt. 2015 wurde Luisa geboren, das Glück ist komplett. Die vierköpfige Familie hat vergeblich eine grössere Wohnung im Quartier gesucht, der Alltag auf engem Raum mit allen Herausforderungen und verschiedenen Bedürfnissen zehrte an den Kräften. Mona war zunehmend erschöpft, die Partnerschaft nicht so harmonisch wie zu Beginn. «Nach einigen Jahren mit vielen Auf und Abs, mit Hoffnung und Enttäuschung, mit finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten trennten wir uns. Eine grosse Ernüchterung, aber auch eine punktuelle Erleichterung – zumindest für den Energiehaushalt», versucht Mona die unterschiedlichen Gefühle zusammenzufassen. 
Obwohl die Konflikte nun nicht mehr den Familienalltag überschatten und etwas Ruhe einkehren konnte: die zweifache Mutter lebt mehrheitlich auf sich gestellt. Die Hoffnung auf eine gleichberechtigte Aufteilung aller Aufgaben und Pflichten muss sie für den Moment zurückstellen. «Ich reisse den Karren eigentlich alleine, wie viele andere Mütter auch – ob getrennt oder mit Partner. Immerhin konnten wir das Finanzielle fair regeln und ich werde von Luisas Vater entsprechend unterstützt.»

Das Puzzle selber zusammensetzen

Eine grosse Herausforderung nach Trennungen mit Kind ist die gesamte Organisation des Alltags: Wer schaut wann zu den Kindern, wer hat welche Verantwortung, wer springt ein, wenn ein Kind krank ist, wer arbeitet wann wieviel, was muss doppelt angeschafft werden, wer macht wie Ferien – und hat irgendwann auch mal noch Zeit für sich selber. Dass da vieles auf der Strecke bleibt und mit Stress verbunden ist, liegt auf der Hand. «Ich wünschte mir in Krisenzeiten oft, dass es viel einfacher wäre, unkompliziert geeignete Hilfe zu finden», sagt Mona. Denn ob finanzielle, organisatorische oder emotionale Unterstützung: Vorhandene Möglichkeiten müsse man sich meist selber zusammensuchen. Anträge stellen, Papierkram ausfüllen, Stellen ausfindig machen. Bei ohnehin knappen Ressourcen ein Kraftakt. Beispiel Wohnen: Oft hat sich Mona auf eine grössere Wohnung im Quartier beworben, als Alleinerziehende mit tiefem Einkommen sei sie fast immer benachteiligt, oder eine unter dutzenden Bewerbungen. Und von Eigentum kann Mona nur träumen: «Auch wenn es uns eine grosse Sicherheit geben würde, in meiner Situation habe ich wohl keine Chance auf Wohneigentum, viel zu unattraktiv sind unsere finanziellen Möglichkeiten», meint sie.

Nora kommt in die Küche, sie und ihre Freundin wollen noch zu Mittag essen, bevor der Tanzkurs beginnt. Das Leben geht nahtlos weiter. Auftanken kann Mona in ihrer kreativen Arbeit, in der Natur und im Zusammensein mit ihrer Verwandtschaft. «Wenn wir in die Ferien fahren, die Kinder spielen und wir Erwachsenen auf dem Liegestuhl liegen können, dann stimmt alles und die Sorgen sind weit weg.»

*Namen geändert

Finanzielle Unterstützung und hilfreiche Angebote

Alimente

Wächst das Kind bei einem Elternteil auf, muss das andere Alimente zahlen. Wie dieser Betrag aussieht, in welchen Fällen er sich ändern lässt und wie ausstehende Zahlungen eingefordert werden können, wird individuell geregelt. Mehr: Kantonales Jugendamt.

Prämienverbilligung

Die Prämienverbilligung sind Beiträge an die Krankenversicherungsprämie, werden durch Kanton und Bund finanziert und sind für Personen mit bescheidenen Verhältnissen bestimmt. Berechnungsgrundlage sind die definitiven Steuerdaten. Mehr: Amt für Sozialversicherungen, Abteilung Prämienverbilligung & Obligatorium.

Familienzulagen

Familienzulagen umfassen Kinderzulagen und Ausbildungszulagen und sind einmalige oder periodische Zahlungen, welche die finanzielle Belastung teilweise ausgleichen. Berechtigt sind u. a. Frauen im Mutterschaftsurlaub, erwerbstätige, teilzeitbeschäftigte und nichterwerbstätige Eltern sowie arbeitslose, alleinerziehende oder selbständig erwerbende Elternteile. Mehr: Ausgleichskasse des Kantons Bern.

Steuerentlastungen für Familien

Wenn sich die berufliche oder familiäre Situation ändert, könnten möglicherweise neu zusätzliche Abzüge in Frage kommen: Kinderabzug, Abzug für Kinderdrittbetreuung, Berufskostenabzug, Zweiverdienerabzug oder Abzug für Alleinstehende mit Kind und eigenem Haushalt. Mehr: Amt für Integration und Soziales Kanton Bern, Abteilung Familie.

Subventionierte Krippenplätze

Einkommensschwächere Haushalte können jährlich bei der Gemeinde Gutscheine beantragen, die sie bei der Kindertagesstätte oder Tagesfamilienorganisation einlösen können. Der Gutschein vergünstigt die Betreuungskosten in Kitas und Tagesfamilien. Mehr: Gesundheits- Sozial- und Integrationsdirektion Kanton Bern, Abteilung Familie.

Günstiger Wohnraum Stadt Bern

Die Stadt Bern verfügt über Wohnungen im Segment «günstiger Wohnraum». Um eine solche Wohnung zu mieten, müssen entsprechende Kriterien erfüllt werden. Mehr: Immobilien Stadt Bern.

Freizeit
  • BEKB Familientage: Ein bunter Tag für alle Familien mit Spielen, Zauberern, Geschichtenhören, Musikdarbietungen und Bastelkursen. Die Familientage sind kostenlos und finden an verschiedenen Standorten in der Region statt.
  • BEKB Familienplätze: Wandern, Tiere beobachten, klettern oder baden – verschiedene Plätze in den Regionen Bern und Solothurn laden Familien zum Verweilen und Spass haben ein.
Finanzen
Weitere Angebote und Adressen

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