Steigt die Inflation weiter an?
Ein grosser Teil des jüngsten Inflationsanstiegs ist auf höhere Erdöl- und Erdgaspreise zurückzuführen und hat sich bisher nur begrenzt auf andere Güter und Dienstleistungen übertragen. Die sogenannten Zweitrundeneffekte, die im Jahr 2022 zu breiten Preissteigerungen in nahezu allen Segmenten geführt hatten, bleiben aktuell moderat. Diese Entwicklung kann an der Kerninflation – also der Teuerung ohne Energie- und Lebensmittelpreise – gemessen werden. Im Vergleich zur Gesamtinflation ist sie bislang nur leicht angestiegen.
Der Konflikt im Nahen Osten hält an und sorgt für erhöhte Volatilität am Erdölmarkt. In unserem Basisszenario für 2026 rechnen wir mit einem Brent‑Preis von 90 bis 100 US-Dollar pro Fass. Die Energiepreise dürften damit erhöht bleiben. Wir gehen weiterhin von moderaten Zweitrundeneffekten aus und erwarten im Jahresverlauf eine Entspannung der Lieferketten. Die Jahresinflation dürfte sowohl in den USA als auch in der Eurozone über dem jeweiligen Inflationsziel von 2 Prozent liegen. Aktuell gehen wir von einer Inflationsrate von rund 4 Prozent in den USA und von rund 3 Prozent in der Eurozone aus. In der Schweiz dürfte der Effekt beschränkt bleiben und die Inflation unter 1 Prozent liegen.
Diese Einschätzung deckt sich mit den aktualisierten Prognosen der Zentralbanken. Sie haben ihre Inflationsprognosen gegenüber März 2026 nach oben angepasst. Der Inflationsdruck hält länger an als erwartet, jedoch ist der Anstieg moderat. Ein Inflationsschub wie im Jahr 2022 wird aktuell nicht erwartet.