SNB Zinsentscheid

EZB erhöht, SNB wartet ab – die BEKB ordnet ein

Die US‑Zentralbank Fed und die Schweizerische Nationalbank SNB halten auch im Juni an ihrer aktuellen Geldpolitik fest und verzichten vorerst auf Zinsanpassungen. Die Kombination aus steigender Inflation und veränderten Markterwartungen hat die Europäische Zentralbank EZB zu einer ersten Zinserhöhung veranlasst.

Steigt die Inflation weiter an?

Ein grosser Teil des jüngsten Inflationsanstiegs ist auf höhere Erdöl- und Erdgaspreise zurückzuführen und hat sich bisher nur begrenzt auf andere Güter und Dienstleistungen übertragen. Die sogenannten Zweitrundeneffekte, die im Jahr 2022 zu breiten Preissteigerungen in nahezu allen Segmenten geführt hatten, bleiben aktuell moderat. Diese Entwicklung kann an der Kerninflation – also der Teuerung ohne Energie- und Lebensmittelpreise – gemessen werden. Im Vergleich zur Gesamtinflation ist sie bislang nur leicht angestiegen.

Der Konflikt im Nahen Osten hält an und sorgt für erhöhte Volatilität am Erdölmarkt. In unserem Basisszenario für 2026 rechnen wir mit einem Brent‑Preis von 90 bis 100 US-Dollar pro Fass. Die Energiepreise dürften damit erhöht bleiben. Wir gehen weiterhin von moderaten Zweitrundeneffekten aus und erwarten im Jahresverlauf eine Entspannung der Lieferketten. Die Jahresinflation dürfte sowohl in den USA als auch in der Eurozone über dem jeweiligen Inflationsziel von 2 Prozent liegen. Aktuell gehen wir von einer Inflationsrate von rund 4 Prozent in den USA und von rund 3 Prozent in der Eurozone aus. In der Schweiz dürfte der Effekt beschränkt bleiben und die Inflation unter 1 Prozent liegen.

Diese Einschätzung deckt sich mit den aktualisierten Prognosen der Zentralbanken. Sie haben ihre Inflationsprognosen gegenüber März 2026 nach oben angepasst. Der Inflationsdruck hält länger an als erwartet, jedoch ist der Anstieg moderat. Ein Inflationsschub wie im Jahr 2022 wird aktuell nicht erwartet.

Sind weitere Leitzinserhöhungen zu erwarten?

Weitere Leitzinserhöhungen in der Eurozone sind wahrscheinlich. Das rasche Handeln der EZB sowie die jüngsten Aussagen verschiedener Ratsmitglieder deuten auf zusätzliche Schritte hin. Wir rechnen mit zwei weiteren moderaten Zinserhöhungen von je 25 Basispunkten.

In den USA bleibt die Lage weniger eindeutig. Entgegen den am Markt erwarteten Zinserhöhungen gehen wir aktuell von keiner Leitzinsanpassung in den USA im Jahr 2026 aus. Der gestiegene Inflationsdruck dürfte Zinssenkungen aber verzögern.

In der Schweiz dürfte die Inflation 2026 innerhalb des Zielbands von 0 bis 2 Prozent liegen. Die steigenden Zinsen im Euroraum könnten den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken etwas reduzieren. Bei stabiler konjunktureller Entwicklung und moderater Inflationsentwicklung rechnen wir aktuell nicht mit Leitzinsanpassungen in der Schweiz.

Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026
Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026

Einschätzung von Noëmi Capelli

Noëmi Capelli, Ökonomin BEKB

«Da wir für die Schweiz von stabilen Leitzinsen ausgehen, dürften sich auch die Zinssätze für SARON-Hypotheken weiterhin im aktuellen Rahmen bewegen.» 

Wie beeinflusst der Leitzins die Hypothekarzinsen?

Der Schweizer Leitzins ist ein geldpolitischer Richtwert, mit dem die SNB das Zinsumfeld steuert. Er beeinflusst den SARON (Swiss Average Rate Overnight), den wichtigsten kurzfristigen Geldmarktzins. Dieser ist zentral für die Preisgestaltung von Geldmarkthypotheken wie der SARON‑Rollover‑Hypothek. Da wir von einem stabilen Leitzins ausgehen, erwarten wir für Geldmarkthypotheken im laufenden Jahr nur geringe Bewegungen.

Die global gestiegene Inflation hat die langfristigen Zinsen weltweit ansteigen lassen. Trotz der vergleichsweise moderaten Inflation in der Schweiz konnten sich die Schweizer Kapitalmarktzinsen dieser Entwicklung nicht vollständig entziehen und sind leicht gestiegen. Festhypotheken orientieren sich an diesen Kapitalmarktzinsen und haben sich seit Jahresbeginn entsprechend verteuert.

Der Konflikt im Nahen Osten dürfte die Anleihemärkte weiterhin belasten. Wir rechnen mit anhaltend erhöhter Inflation ausserhalb der Schweiz. Die Erwartungen höherer Zinsen bleiben bestehen, weshalb wir im Jahresverlauf von einer seitwärts tendierenden bis leicht steigenden Entwicklung der Hypothekarzinsen ausgehen.

Aktuelle Hypothekarzinsprognosen

Möchten Sie wissen, ob die Hypothekarzinsen in den nächsten Monaten steigen oder fallen? Lesen Sie die Einschätzungen und Erklärungen unserer Fachexpertinnen und -experten. Damit Sie den optimalen Entscheid fällen.

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Wie wirkt sich der Entscheid auf den Immobilienmarkt aus?

Trotz leicht steigender Festhypothekarzinsen bleiben die Finanzierungsbedingungen attraktiv. Für das Jahr 2026 erwarten wir eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und einen positiven Wanderungssaldo. Die Nachfrage nach Wohneigentum dürfte daher anhalten und zu weiterem moderatem Preiswachstum führen.

Immobilienpreise und Trends im Kanton Bern

Wie entwickeln sich die Immobilienpreise im Kanton Bern und in den einzelnen Regionen? Aktuelle Analysen zeigen, wie sich Nachfrage und Bautätigkeit auf dem Markt auswirken – und welche Trends sich bei Leerständen und Wohnraum im regionalen Immobilienmarkt abzeichnen.

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