SNB Zinsentscheid

Keine Anpassung der Leitzinsen – die BEKB ordnet ein

Wie erwartet haben die US-Zentralbank Fed, die Europäische Zentralbank EZB und die Schweizerische Nationalbank SNB im März keine Zinsanpassungen vorgenommen. Der Krieg im Nahen Osten hat jedoch die in Zukunft erwarteten Zinsen ansteigen lassen.

Warum blieben die Leitzinsen unverändert?

Bereits vor Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten rechneten wir mit konstanten Leitzinsen in Europa. In der Eurozone und in der Schweiz liegt die Inflation im Zielband, und die Konjunktur zeigt sich trotz der Unsicherheiten rund um die US-Zölle erstaunlich robust. Eine Zinssenkung war daher nicht notwendig. Überdies bleibt die Hürde für einen negativen Leitzins in der Schweiz hoch.

Weniger eindeutig war die Lage in den USA: Die Inflation sinkt weiter, und der Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen von Schwäche – im Februar kam es sogar zu einem Stellenabbau. Gleichzeitig liegt die Inflation weiterhin über dem Zielband, und die Arbeitslosigkeit hat sich stabilisiert. Deshalb gingen wir erst im weiteren Jahresverlauf von Zinssenkungen aus. Der Krieg im Nahen Osten hat diese Einschätzung zusätzlich bestärkt.

Welcher Einfluss hat der Krieg im Nahen Osten auf die Geldpolitik?

Im Nahen Osten befinden sich fast die Hälfte der weltweiten Erdöl- und Erdgasreserven. Rund 20 Prozent des globalen Erdölhandels wird im Nahen Osten abgewickelt, ein grosser Teil davon wird per Schiff durch die Strasse von Hormus transportiert. Diese ist aufgrund des Krieges derzeit kaum passierbar.

Die Angst vor einer Angebotsknappheit hat einen Preisschock bei Erdöl und Erdgas ausgelöst – mit entsprechenden Inflationssorgen und steigenden Zinserwartungen, insbesondere in Europa. Die Grafik zeigt den sprunghaften Anstieg der Markterwartungen für kurze Zinsen in der Schweiz (hier: SARON). Erinnerungen an den Inflationsanstieg 2022 nach Corona und dem Russland-Ukraine-Konflikt oder an den Ölpreisschock der 1970erJahre haben die Marktteilnehmer zusätzlich sensibilisiert. Entsprechend gehen Marktteilnehmer trotz aktuell tiefen Inflationszahlen plötzlich wieder von Zinserhöhungen aus.

Diagramm zeigt sprunghaften Anstieg der Markterwartungen beim SARON für kurze Zinsen in der Schweiz
Diagramm zeigt sprunghaften Anstieg der Markterwartungen beim SARON für kurze Zinsen in der Schweiz

Werden die Leitzinsen im Jahr 2026 steigen?

Die Preise für Erdöl und Erdgas sind deutlich gestiegen und könnten zu einem temporären Inflationsanstieg führen. Die mittelfristigen Erwartungen zur Teuerung haben sich bisher jedoch von den höheren Energiepreisen nicht beeindrucken lassen. Zudem hat sich die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert. Europa hat seine Energieimporte breiter diversifiziert, die USA sind weitgehend Selbstversorger, und China – der grösste Abnehmer von Erdöl aus dem Nahen Osten – verfügt über hohe Reserven.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Strasse von Hormus bald wieder passierbar ist und sich der Erdölpreis unter 100 USD pro Barrel stabilisiert. Damit wären die Auswirkungen auf die Inflation begrenzt, und Zinserhöhungen wären nicht notwendig. Wir halten daher an unserer Einschätzung fest, dass EZB und SNB im Jahr 2026 keine Zinsanpassungen vornehmen werden und die Fed ihre Zinsen leicht senken dürfte.

Zieht sich der Konflikt jedoch in die Länge und bleibt die Strasse von Hormus über Wochen blockiert, könnte der Erdölpreis auf 150 USD ansteigen und Zweitrundeneffekte auslösen.  In einem solchen Stagflationsszenario würde die Inflation spürbar steigen und Zinserhöhungen wahrscheinlich machen. Aktuell messen wir unserem Basisszenario jedoch die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit bei.

Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026
Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026

Einschätzung von Noëmi Capelli

Noëmi Capelli, Ökonomin BEKB

«Da wir für die Schweiz von stabilen Leitzinsen ausgehen, dürften sich auch die Zinssätze für SARON-Hypotheken weiterhin im aktuellen Rahmen bewegen.»

Welche Auswirkungen sind auf dem Hypothekarmarkt zu beobachten?

Die Zinssätze für SARON Rollover Hypotheken orientieren sich eng am Leitzins. Da wir von einer Seitwärtsbewegung des Schweizer Leitzinses ausgehen, dürfte sich dieser Hypothekarzins weiterhin im aktuellen Rahmen bewegen.

Die Rezessionswahrscheinlichkeit ist zwar gestiegen, aufgrund der Inflationssorgen sind die langfristigen Kapitalmarktzinsen dennoch gestiegen. In der Folge sind auch die Zinsen für Festzinshypotheken angestiegen. Wir rechnen damit, dass dieser Anstieg bis Ende Jahr anhält. Die Zinsen notierten vorher auf einem sehr tiefen Niveau. 

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Wie wirkt sich der Entscheid auf den Immobilienmarkt aus?

Trotz leicht steigender Festhypothekarzinsen bleiben die Finanzierungsbedingungen attraktiv. Für das Jahr 2026 erwarten wir eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und einen positiven Wanderungssaldo. Die Nachfrage nach Wohneigentum dürfte daher anhalten und zu weiterem moderatem Preiswachstum führen.

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