Steigt die Inflation weiter an?
Der globale Inflationsdruck dürfte angesichts der Unsicherheit im Nahen Osten und der damit verbundenen Entwicklungen an den Energiemärkten in den nächsten Wochen anhalten. Aktuell zeigen sich jedoch kaum Zweitrundeneffekte. Dies lässt sich an der Kerninflation ablesen, welche die Energie- und Lebensmittelpreise ausblendet. Seit März ist sie nahezu unverändert. Einzig in der Eurozone zeigen sich seit den Sommermonaten Anzeichen für einen leicht steigenden Teuerungsdruck.
Eine zweite Inflationswelle erwarten wir derzeit nicht. Vielmehr rechnen wir für 2027 mit einer rückläufigen Teuerung in den USA und der Eurozone.
Das Schweizer Inflationsniveau bleibt weiterhin deutlich von der globalen Entwicklung abgekoppelt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Ein wichtiger Faktor ist der starke Schweizer Franken, der Importe vergünstigt. Zudem verfolgt die SNB ein klares Preisstabilitätsziel, das sie seit Jahren glaubwürdig verteidigt. Hinzu kommt, dass sich die Zusammensetzung des Schweizer Konsumentenpreisindex, der Messgrösse für die Inflation, insbesondere beim Energieanteil, deutlich von jener anderer Länder unterscheidet. Mit einem Anteil von rund fünf Prozent fällt Energie in der Schweiz weniger stark ins Gewicht als beispielsweise in der Eurozone mit rund neun Prozent. Energiepreisschwankungen haben daher eine geringere Auswirkung auf die Inflationsentwicklung in der Schweiz. Zudem dürften die Strompreise für Schweizer Haushalte im Jahr 2027 sinken.
Wir rechnen für die Schweiz zwar mit einer Inflationsentwicklung innerhalb des Zielbandes, trotzdem dürfte die Inflation im nächsten Halbjahr ansteigen. Dies zeigt sich auch in der bedingten Inflationsprognose der SNB: In ihrer September-Einschätzung wurde sie für die nächsten drei Quartale um 40 Basispunkte erhöht.