SNB Zinsentscheid

EZB und Fed erhöhen, SNB wartet ab – die BEKB ordnet ein

Die Zinswende ist eingeläutet. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) bereits ihren Leitzins erhöht hat, zieht nun auch die US-Notenbank Fed im September nach. Aufgrund des deutlich geringeren Inflationsdrucks in der Schweiz wartet die Schweizerische Nationalbank (SNB) hingegen noch ab.  

Steigt die Inflation weiter an?

Der globale Inflationsdruck dürfte angesichts der Unsicherheit im Nahen Osten und der damit verbundenen Entwicklungen an den Energiemärkten in den nächsten Wochen anhalten. Aktuell zeigen sich jedoch kaum Zweitrundeneffekte. Dies lässt sich an der Kerninflation ablesen, welche die Energie- und Lebensmittelpreise ausblendet. Seit März ist sie nahezu unverändert. Einzig in der Eurozone zeigen sich seit den Sommermonaten Anzeichen für einen leicht steigenden Teuerungsdruck.

Eine zweite Inflationswelle erwarten wir derzeit nicht. Vielmehr rechnen wir für 2027 mit einer rückläufigen Teuerung in den USA und der Eurozone.

Das Schweizer Inflationsniveau bleibt weiterhin deutlich von der globalen Entwicklung abgekoppelt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Ein wichtiger Faktor ist der starke Schweizer Franken, der Importe vergünstigt. Zudem verfolgt die SNB ein klares Preisstabilitätsziel, das sie seit Jahren glaubwürdig verteidigt. Hinzu kommt, dass sich die Zusammensetzung des Schweizer Konsumentenpreisindex, der Messgrösse für die Inflation, insbesondere beim Energieanteil, deutlich von jener anderer Länder unterscheidet. Mit einem Anteil von rund fünf Prozent fällt Energie in der Schweiz weniger stark ins Gewicht als beispielsweise in der Eurozone mit rund neun Prozent. Energiepreisschwankungen haben daher eine geringere Auswirkung auf die Inflationsentwicklung in der Schweiz. Zudem dürften die Strompreise für Schweizer Haushalte im Jahr 2027 sinken.

Wir rechnen für die Schweiz zwar mit einer Inflationsentwicklung innerhalb des Zielbandes, trotzdem dürfte die Inflation im nächsten Halbjahr ansteigen. Dies zeigt sich auch in der bedingten Inflationsprognose der SNB: In ihrer September-Einschätzung wurde sie für die nächsten drei Quartale um 40 Basispunkte erhöht.

Sind weitere Leitzinserhöhungen zu erwarten?

Ja, wir gehen von weiteren Leitzinserhöhungen aus, rechnen jedoch mit einem moderaten Zinserhöhungszyklus. In den USA schliessen wir weitere Zinserhöhungen nicht aus und rechnen in der Eurozone mit einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr.

Für die Schweiz zeigt sich ein etwas anderes Bild. Insgesamt gehen wir von Leitzinserhöhungen um 50 Basispunkte aus. Bislang gingen wir davon aus, dass diese im Juni und September 2027 erfolgen dürften. Die jüngsten Leitzinserhöhungen der EZB und der Fed, die aktuelle Inflationsentwicklung, der günstige Wechselkurs sowie die stabile Konjunktur haben jedoch die Tür für eine Zinserhöhung bereits im Dezember 2026 oder im März 2027 einen Spalt weit geöffnet. Ausschlaggebend werden die weitere Entwicklung der Inflation und der Konjunktur im Jahresverlauf sowie die Zinsdifferenz zur Eurozone sein.

Die aus Leitzinsfutures abgeleiteten Markterwartungen für die zukünftige Leitzinsentwicklung sind für 2026 und 2027 deutlich angestiegen (siehe Grafik). Unserer Einschätzung nach ist dieser Anstieg etwas zu stark ausgefallen. Wir rechnen daher in den nächsten Tagen mit einer Normalisierung der Markterwartungen. An unserer Leitzinsprognose für die Schweiz von 0,5 Prozent für das Jahr 2027 halten wir fest.

Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026
Diagramm zeigt BEKB-Schätzung der Leitzinsentwicklung in Schweiz, USA und Eurozone von 2019 bis 2026

Einschätzung von Noëmi Capelli

Noëmi Capelli, Ökonomin BEKB

«Wir rechnen mit Leitzinserhöhungen in der Schweiz. Eine Erhöhung bereits im Dezember dieses Jahres ist aktuell nicht völlig ausgeschlossen, entspricht aber nicht unserem Basisszenario.» 

Wie beeinflusst der Leitzins die Hypothekarzinsen?

Der Schweizer Leitzins ist ein geldpolitischer Richtwert, mit dem die SNB das Zinsumfeld steuert. Er beeinflusst den SARON (Swiss Average Rate Overnight), den wichtigsten kurzfristigen Geldmarktzins. Dieser ist von zentraler Bedeutung für die Preisgestaltung von Geldmarkthypotheken, wie der SARON Rollover Hypothek. Sollte die Leitzinserhöhung bereits in diesem Jahr erfolgen, dürfte sich der SARON-Zins entsprechend erhöhen.

Die global gestiegene Inflation hat die langfristigen Zinsen weltweit ansteigen lassen. Trotz der vergleichsweise moderaten Inflation in der Schweiz konnten sich die Schweizer Kapitalmarktzinsen dieser Entwicklung nicht vollständig entziehen und sind ebenfalls leicht gestiegen. Festzinshypotheken orientieren sich an diesen Kapitalmarktzinsen und haben sich seit Jahresbeginn entsprechend verteuert.

Der Konflikt im Nahen Osten dürfte die Anleihemärkte weiterhin belasten. Wir rechnen mit anhaltend erhöhter Inflation ausserhalb der Schweiz. Die Erwartungen höherer Zinsen bleiben bestehen. Deshalb gehen wir im Jahresverlauf von einer seitwärts bis leicht aufwärts tendierenden Entwicklung der Hypothekarzinsen aus.

Aktuelle Hypothekarzinsprognosen

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Wie wirkt sich der Entscheid auf den Immobilienmarkt aus?

Trotz leicht steigender Festhypothekarzinsen bleiben die Finanzierungsbedingungen attraktiv. Für das Jahr 2026 erwarten wir eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und einen positiven Wanderungssaldo. Die Nachfrage nach Wohneigentum dürfte daher anhalten und zu weiterem moderatem Preiswachstum führen.

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