Vorsorgen

Sind Immobilien immer noch die beste Altersvorsorge?

Immobilien sind bei Bernerinnen und Bernern heute beliebter denn je. Die Eigentumsquote im Kanton Bern hat sich in den letzten Jahren auf fast 39% erhöht, zugleich sind die Preise für Wohneigentum seit 1997 um 80% gestiegen. Wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat das langjährige Tiefzinsumfeld. Doch mit dem raschen Hypothekarzinsanstieg Anfang 2022 haben sich die Zinskosten für eine Immobilie teilweise fast verdreifacht.

Das heisst: Sprach zu Zeiten von tiefen Zinsen noch viel für ein Eigenheim oder eine Renditeliegenschaft als Altersvorsorge, hat sich das Blatt seither gedreht. Alternative Vorsorgelösungen haben an Attraktivität gewonnen, auch relativ risikoarme Obligationen werfen wieder positive Zinsen ab. Die grosse Frage lautet nun: Sind börsenkotierte Anlagen für die Altersvorsorge heute besser geeignet als Immobilien?

Altersvorsorge mit Immobilien und Wertschriften zahlt sich aus

Im Vergleich der Geldanlagen haben Immobilien den direkten Besitz von Wertschriften hierzulande weit abgehängt. Dazu ein Vergleich: Im Jahr 2022 waren rund 46% des Vermögens von Schweizer Haushalten in Immobilien investiert. Wertschriften machten nur gerade 15% des Haushaltsvermögens aus.

Gerade in der Altersvorsorge, welche sich durch einen langfristigen Anlagehorizont auszeichnet, kann die erzielte Rendite aus Wertschriften aber einen wesentlichen Beitrag zum Vermögensaufbau leisten.

Ein Blick auf die Gesamtrenditen seit 1960 zeigt die starke Entwicklung von Aktien deutlich auf. Ihre Gesamtrendite fällt weit höher aus als mit einem Sparkonto – und bleibt nur knapp hinter der von Immobilien zurück. Zwar weisen Aktienrenditen vergleichsweise grosse Schwankungen auf, in Kombination mit anderen Anlageklassen wie Obligationen oder Immobilien-Fonds bieten sie jedoch ein sehr ansprechendes Rendite-Risiko-Profil.

Wertschriften als Alternative zur Altersvorsorge mit Immobilien?

Betrachtet man die Wertentwicklung ohne Kosten seit 1997, zeigt sich aber ein leicht anderes Bild. Die Transaktionspreise von Wohneigentum sind weniger stark angestiegen als der Wert einer Investition in ein ausgewogenes Strategieportfolio mit einem Aktienanteil von 40%.

Das heisst konkret: Vermögen, das in eine Immobilie im Kanton Bern investiert war, wuchs um 80%, in einem diversifizierten Portfolio verdoppelte sich das Vermögen im selben Zeitraum. Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden daher, ihr Vermögen über verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren.

Der Vergleich zeigt: Wertschriften sind eine geeignete Alternative, um auch ohne Eigenheim Vermögen für die Altersvorsorge anzusparen. Hinzu kommt, dass ein Portfolio kontinuierlich aufgebaut werden kann und, anders als beim Erwerb eines Eigenheims, nicht von Anfang an ein grösserer Kapitalbetrag nötig ist.

Die Altersvorsorge mit Wertschriften kann grundsätzlich über drei Formen erfolgen:

  • Einkauf in die Pensionskasse (Pensionskassengelder werden von der Vorsorgeeinrichtung investiert)
  • Anlegen des Kapitals der dritten Säule via monatlichem oder jährlichem Fondssparplan
  • Anlegen des verfügbaren Vermögens in ein breit diversifiziertes Portfolio basierend auf dem individuellen Risikoprofil

Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden eine Kombination dieser Formen. Zentral dabei ist eine fundierte Finanzplanung bis zum Pensionierungszeitpunkt. Bei dieser Entscheidung spielen die Rendite, die Frage, wie viel Vermögen langfristig angelegt werden kann und weitere Faktoren eine wichtige Rolle.

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Altersvorsorge mit Immobilien und Wertschriften – der andere Blickwinkel

In der Altersvorsorge zählt jedoch nicht nur die finanzielle Rendite. Auch Faktoren wie Liquidität, Tragbarkeit oder Wohnformen bei einer eingeschränkten Mobilität sind wichtig. Nachfolgende Darstellung zeigt die wichtigsten Faktoren aus dem Blickwinkel von Eigenheimbesitzerinnen und -besitzern und von Wertschriftenbesitzerinnen und -besitzern auf.

Die wichtigsten Faktoren bei der Altersvorsorge mit einem Eigenheim oder Wertschriften

Eigenheim Wertschriften
Verfügbarkeit von Liquidität Gering. Erhöhte Abwicklungszeit für Verkauf und nur als Gesamtobjekt veräusserbar Hoch. Verkauf jederzeit und in Teilen möglich
Wohn- und Anlagekosten Hypothekarkosten

Renovations- und Instandhaltungskosten

Lagen in der Vergangenheit unter den Mietzinsen, der jüngste Anstieg der Zinsen und der Bauteuerung hat diesen Vorteil geschmälert
Mietzins

Anlagekosten
Rendite Hebelwirkung der Fremdfinanzierung mit einer Hypothek führt zu höherer Rendite in CHF Meist keine Hebelwirkung, tiefere Rendite in CHF
Verschuldung / Tragbarkeit Hohe Verschuldung kann im Alter zu einem Tragbarkeitsproblem führen, frühzeitige Planung der Amortisationen ist wichtig In der Regel keine, Anlagen werden meist auf Guthabenbasis geführt
Alter / Mobilität Anforderungen an eine Wohnsituation ändern sich über Lebensabschnitte

Haus mit Garten kann mit zunehmendem Alter eine Last werden
Risiken von Anlagen können im Alter und mit abnehmendem Anlagehorizont reduziert werden
Erbschaft Vererbung eines Eigenheims bei mehreren Erbinnen und Erben als Herausforderung Einfache Splittung bei Erbteilung
Risiken Eigenheim stellt ein Klumpenrisiko dar Anlagen unterliegen Marktschwankungen. Wird das Vermögen bei einem Markttief benötigt, müssen Kursverluste realisiert werden
Steuern Eigenmietwert wird als Einkommen versteuert, auch nach der Pensionierung

Grundstückgewinnsteuern bei Verkauf

Abzüge für Hypothekarzinsen, Renovationen und Unterhalt
Einkommenssteuern auf Erträgen und Vermögenssteuer auf Anlagevermögen

Abzüge für Einkäufe in die Pensionskasse, Beiträge in Säule 3a und Verwaltungsgebühren
Emotionale Bindung Emotionale Bindung an Eigenheim

Gestalterische Freiheit

Preisschwankungen kaum spürbar
Bedingt emotionaler Bezug, bei Liebhabertiteln möglich

Wertschriften oder Immobilien für die Altersvorsorge?

Das Fazit: Anlagen in Wertschriften bieten einerseits eine attraktive Rendite, anderseits sind sie jederzeit liquidierbar und können beliebig geteilt werden. Sie sind also gute Alternativen zum Kauf einer Immobilie, wenn es um die Altersvorsorge geht.
Die optimale Lösung ist aber in jedem Fall sehr individuell. Eine fundierte Bedürfnisanalyse und die Aufklärung von möglichen Risiken helfen Ihnen, eine persönlich optimierte Variante zu finden. Die BEKB Finanzplanung unterstützt Sie dabei gerne.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme

 

Publikationsdatum: 08.11.2023

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