Nachhaltigkeit und Engagement

Wenn 17-Jährige pitchen wie Start-up-Profis

Noch während der Schulzeit gründen Schülerinnen und Schüler eigene Unternehmen, entwickeln Produkte und verkaufen sie auf dem Markt. Im Rahmen des YES Company Programms erleben Jugendliche Unternehmertum praktisch. So entstehen auch in der Region Bern jedes Jahr kreative Miniunternehmen.

Ein Samstagvormittag in Bern: Im Hochschulzentrum vonRoll stehen Jugendliche auf der Bühne und präsentieren ihre Geschäftsideen. Die Folien sind sorgfältig vorbereitet, einige halten Prototypen in der Hand. Sie sprechen leidenschaftlich und erstaunlich professionell.

Bei der regionalen Pitch Competition von Young Enterprise Switzerland (YES) wird schnell klar: Das ist kein theoretisches Schulprojekt. Hier entstehen konkrete Produkte, durchdachte Geschäftsmodelle und echtes Unternehmertum.

Seit 2019 engagiert sich die BEKB mit dem BEKB Förderfonds als regionale Partnerin von YES in der Region Bern. Die Pitch Competition ist eine wichtige Etappe im YES Company Programme, aber nur ein Moment in einem intensiven Unternehmerjahr.

Ein Schuljahr als Miniunternehmerin oder Miniunternehmer

Beim YES Company Programme gründen Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 20 Jahren während eines Schuljahres ein reales Miniunternehmen. Zu Beginn finden sich die Jugendlichen zu Teams zusammen: Wer arbeitet mit wem? Wie soll die Jungfirma heissen? Und welches Produkt wollen wir entwickeln? Dann verteilen sie die Rollen in ihrem Unternehmen und geben sich Titel wie CEO, COO oder CMO.

Danach beginnt die eigentliche Unternehmensarbeit. Die Teams entwickeln ihre Geschäftsidee, schreiben einen Businessplan, eröffnen ein Firmenkonto, produzieren, kalkulieren, vermarkten und verkaufen. Sie führen die Buchhaltung, rechnen die Mehrwertsteuer ab, zahlen Löhne und streben die Gewinnschwelle an. Am Ende des Schuljahres wird das Unternehmen wieder aufgelöst.

Ein wichtiger Schritt ist auch die Finanzierung: Im Businessplan planen die Teams, wie viel Kapital sie benötigen und wie sie es beschaffen können. Dazu geben sie sogenannte Partizipationsscheine aus, die von externen «Investorinnen und Investoren» – etwa Eltern, Lehrkräften oder lokalen Unterstützern – gekauft werden können. Die Höhe des aufgenommenen Kapitals ist dabei begrenzt, damit für alle Jungunternehmen vergleichbare Startbedingungen gelten.

Was nach einem Schulprojekt klingt, wird schnell ernst. Amélie Locher und Lorena Lo Chiatto von tîbi Waterkefir sagen: «Was im Wirtschaftsunterricht mit einer einfachen Idee begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu unserem eigenen kleinen Unternehmen und zu wichtigen Erfahrungen auf dem Weg ins Erwachsenwerden.»

Die Jugendlichen verkaufen ihre Produkte auf Weihnachtsmärkten, bei regionalen Veranstaltungen, auf Handelsmessen, im YES Marketplace oder über eigene Onlineshops. So erleben sie unmittelbar, was unternehmerische Verantwortung bedeutet. 

Kreativität mit Haltung

Die Pitch Competition in Bern zeigt, wie vielseitig und innovativ die Ideen sind. Das Team Vetro präsentierte sein Konzept mit Humor: Für ihr Miniunternehmen, das Zweitklass-Gemüse einlegt und somit Food Waste reduziert, trat ein Teammitglied im Kostüm einer krummen Gurke auf. Die Botschaft war klar: Auch krummes Gemüse hat Wert.

Andere Teams setzten auf Genuss oder Upcycling. So entstehen aus lokalen Biofrüchten gesunde Snacks, altes Besteck wird zu Schmuck verarbeitet und durch gedippte Früchtechips wird die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert. Das Team Bernamaro entwickelte gemeinsam mit einer regionalen Manufaktur ein alkoholfreies, bittersüsses Apéro-Getränk.

Viele Ideen entstehen aus pragmatischen Überlegungen. Lebensmittelprodukte lassen sich mit überschaubarem Aufwand herstellen, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Gleichzeitig eignen sie sich gut für den Verkauf an Weihnachtsmärkten oder regionalen Veranstaltungen. Dort erreichen viele Jungunternehmen ihre ersten Kundinnen und Kunden. 

Zugleich zeigen viele Projekte ein ausgeprägtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Regionalität. David Hatz vom Team Fall'n'Roll des Gymnasiums Kirchenfeld berichtet: «Unser Team wollte etwas Neuartiges und Innovatives auf den Schweizer Markt bringen. Dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Lehrpersonen und von YES ist es uns schliesslich gelungen, ein Produkt zu entwickeln, das wir voller Tatendrang und Überzeugung an unsere Kunden verkaufen können.»

Lernen fürs Leben

Für Johanna Aebi, CEO von YES, liegt genau darin der Kern des Programms: „Mit dem Programm erhalten die Schülerinnen und Schüler die Chance, ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen. Sie übernehmen Verantwortung und lernen, mutig zu sein. Das hilft ihnen ein Leben lang.“ 

Das Programm ist im Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht am Gymnasium Kirchenfeld fest verankert. Diego Weisskopf, Lehrkraft und Verantwortlicher für das MyStartUp Projekt, beschreibt den Mehrwert des Programms wie folgt: „Die Schülerinnen und Schüler setzen die theoretischen Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre als reale Marktteilnehmer um. Dabei erkennen sie, dass Unternehmertum eine breite Vielfalt an Kompetenzen verlangt und die Zusammenarbeit im Team essenziell ist. Die hohe Selbstverantwortung und das grosse Engagement führen zu gemeinsamen Erfolgserlebnissen bei Verkaufsveranstaltungen und im Wettbewerb, was ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkt.“ 

Neben wirtschaftlichem Know-how entwickeln die Jugendlichen wichtige Sozialkompetenzen. Ein Jahr lang arbeiten sie in Teams von fünf bis sieben Personen, lösen Konflikte, finden Konsens und präsentieren ihre Projekte vor Jury, Kundschaft und Medien. «Learning by doing» wird hier konkret erlebbar. 

Engagement aus Überzeugung

Die Miniunternehmen im Kanton Bern eröffnen für ihr Projekt ein Geschäftskonto bei der BEKB und stellen ihren Businessplan in der Bank vor. Nach dem Finanzierungsgespräch unterstützt der BEKB Förderfonds jedes Team mit einem «Startbatzen» von bis zu 400 Franken. Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Präsentation in der Bank ein Schlüsselmoment: Fachleute stellen kritische Fragen, prüfen Zahlen und nehmen die Idee ernst. Aus einem Schulprojekt wird ein reales Geschäftsmodell auf dem Prüfstand.

«Wir unterstützen YES aus Überzeugung»

Karl-Martin Wyss, Leiter BEKB Förderfonds

Das Programm fördert unternehmerisches Denken, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein bei Jugendlichen. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Engagement die Teams ihre Projekte umsetzen.

Ein wichtiger Meilenstein, aber noch nicht das Ziel

In der Region Bern engagieren sich derzeit 221 Schülerinnen und Schüler in 39 Miniunternehmen. Die besten Teams qualifizieren sich für die nationale Handelsmesse in Zürich, wo sie ihre Produkte einem breiten Publikum präsentieren können.

Doch unabhängig von Ranglisten zeigt sich bereits jetzt, was wirklich zählt: Jugendliche, die Verantwortung übernehmen. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen. Die nicht nur über Nachhaltigkeit diskutieren, sondern sie in konkrete Produkte umsetzen. Und die erleben, wie es ist, mit einer eigenen Idee am Markt zu bestehen.

Gleichzeitig erwerben sie Fähigkeiten, die auch über das Unternehmerjahr hinaus nützlich sind. Dazu gehört beispielsweise, überzeugend vor Publikum zu präsentieren. Diese Präsentationserfahrung ist später bei Jobbewerbungen, Referaten im Studium oder Präsentationen im Berufsalltag von Vorteil.

«Wir haben gelernt, dass man aus seiner Komfortzone heraustreten muss, um erfolgreich zu sein“, sagt Noah Krebs vom Team Medjoolia.

Genau solche Erfahrungen machen den Unterschied. Deshalb engagiert sich die BEKB langfristig für Programme wie das YES Company Programme in der Region Bern.

Für engagierte Projekte: Der BEKB Förderfonds

Mit dem BEKB Förderfonds unterstützt die BEKB in den Regionen Bern und Solothurn Institutionen und Projekte in den Kategorien Kultur, Sport und Freizeit, Ökologie, Bildung sowie Gesundheit und Soziales, die nicht rein kommerziell ausgerichtet sind.

BEKB Förderfonds

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