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Nachhaltig investieren: Passt Ihr Portfolio zu Ihren Werten?
Nachhaltige Anlagen haben in den letzten Jahren hohe Erwartungen geweckt. Jannik Oomen, Leiter Nachhaltige Investitionen bei der BEKB, erläutert, weshalb heute ein realistischer Blick gefragt ist, welche Rolle persönliche Werte spielen und wie die BEKB Nachhaltigkeit im Anlageprozess umsetzt.
Nachhaltiges Investieren ist inzwischen ein sehr breiter Begriff. Was bedeutet er für Sie?
Für mich beginnt nachhaltiges Investieren mit einer einfachen Frage: Passt die Art, wie mein Geld investiert ist, zu meinen persönlichen Wertvorstellungen?Wir treffen auch in anderen Lebensbereichen Entscheidungen aufgrund unserer Werte, beispielsweise beim Konsum oder bei der Wahl unserer Mobilität. Bei Anlagen ist das nicht grundsätzlich anders. Anlegerinnen und Anleger sollen nachvollziehen können, welche Geschäftsfelder oder Geschäftspraktiken eine Anlagelösung berücksichtigt oder ausschliesst und ob dies zu ihren Wertvorstellungen passt. Gleichzeitig bleibt eine Anlage eine Anlage. Risiko, Rendite und Diversifikation verschwinden nicht, nur weil Nachhaltigkeit hinzukommt. Gerade diese Verbindung ist entscheidend.
Was bedeutet das konkret?
Nehmen wir eine nachhaltige Anlagelösung, bei der Unternehmen aufgrund klar definierter Kriterien ausgeschlossen werden. Dann wird das Anlageuniversum entsprechend eingeschränkt. Gleichzeitig muss das verbleibende Portfolio weiterhin ausreichend diversifiziert sein und darf nicht nur aus wenigen Unternehmen oder Branchen bestehen. Nachhaltigkeit und finanzielle Qualität müssen deshalb zusammengedacht werden. Aus unserer Sicht setzt das einen aktiven Anlageansatz und einen Anbieter voraus, der über langjährige Erfahrung mit nachhaltigen Anlagen verfügt. Die BEKB bringt beides mit.
„Am Ende geht es darum, im Einklang mit den eigenen Werten zu investieren.“
Nachhaltiges Investieren sollte keine Weltrettung versprechen. Es geht darum, Kapital langfristig und verantwortungsbewusst anzulegen und dabei jene Unternehmen und Geschäftsfelder zu berücksichtigen, die zu den eigenen Wertvorstellungen passen.
Lange stand bei nachhaltigen Anlagen vor allem die Wirkung im Vordergrund. Sehen Sie das kritisch?
Bei einer nachhaltigen Investition lässt sich oft nicht eindeutig sagen, welche konkrete Veränderung durch eine einzelne Anlageentscheidung entstanden ist. Das gilt es zu unterscheiden.
In den vergangenen Jahren wurde am Markt teilweise der Eindruck vermittelt, dass man mit dem Kauf eines nachhaltigen Anlageprodukts unmittelbar eine messbare positive Veränderung der Realwirtschaft bewirkt. So einfach ist der Zusammenhang jedoch oft nicht. Nachhaltigkeitskriterien beeinflussen, welche Unternehmen und Emittenten für ein Portfolio infrage kommen. Sie beeinflussen also, an welchen Unternehmen man sich beteiligt und von welchen man schlussendlich finanziell profitiert. Eine direkte, eindeutige Wirkung lässt sich daraus aber nicht automatisch ableiten.
Ist eine Ausrichtung auf Werte nicht sehr subjektiv?
Natürlich. Und genau das ist ein wichtiger Punkt. Nachhaltigkeit hat eine sachliche, analytische Seite, beispielsweise bei Klimarisiken, Unternehmensführung oder Arbeitsbedingungen. Sie beinhaltet aber auch Wertentscheidungen.
Für die einen ist ein bestimmtes Geschäftsfeld grundsätzlich nicht investierbar, während andere es anders beurteilen. Die Aufgabe einer Bank kann deshalb nicht sein, ihren Kundinnen und Kunden vorzuschreiben, was moralisch richtig ist. Unsere Aufgabe ist es, transparent zu machen, nach welchen Kriterien wir investieren, und klar definierte Lösungen anzubieten.
Best-in-Class bedeutet vereinfacht gesagt, dass wir Unternehmen innerhalb ihrer Branche miteinander vergleichen und jene berücksichtigen, die bei ökologischen, sozialen und Kriterien der guten Unternehmensführung (ESG) vergleichsweise gut abschneiden. Ein Beispiel: Die Zementherstellung verursacht grundsätzlich viele CO₂-Emissionen. Trotzdem gibt es innerhalb dieser Branche Unterschiede. So kann ein Unternehmen beispielsweise deutlich weniger CO₂ ausstossen oder effizienter mit Energie und Rohstoffen umgehen als ein anderes. Beim Best-in-Class-Ansatz wird also nicht die ganze Branche ausgeschlossen, sondern nur die Unternehmen, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten schlecht abschneiden.
Wie setzt die BEKB Nachhaltigkeit konkret im Anlageprozess um?
Bei allen Anlagelösungen der BEKB werden Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Dazu gehören bestimmte Ausschlusskriterien und Mindeststandards. So werden beispielsweise Unternehmen ausgeschlossen, die geächtete Waffen herstellen oder damit handeln, sowie Unternehmen, deren Umsatzanteil mit bestimmten Aktivitäten im Bereich fossiler Brennstoffe fünf Prozent oder mehr beträgt.
Bei unseren explizit nachhaltigen Lösungen gehen wir noch einen Schritt weiter: Hier gelten zusätzliche, deutlich strengere Ausschlusskriterien, beispielsweise für weitere kontroverse Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken. Anschliessend wählen wir innerhalb der verbleibenden Branchen Unternehmen aus, die im Branchenvergleich überdurchschnittlich in ökologischen, sozialen und Kriterien der guten Unternehmensführung abschneiden (Best-in-Class). Auch die finanziellen Anforderungen müssen dabei erfüllt sein.
Das klingt vielleicht technisch, folgt aber letztlich einer einfachen Logik: Wir wollen wissen, in was wir investieren – sowohl aus finanzieller als auch aus nachhaltiger Sicht.
Der BEKB-Nachhaltigkeitsansatz im Anlageuniversum
Wenn es um Nachhaltigkeit geht, setzen wir bei Geldanlagen strenge Kriterien voraus. So ist Ihr Geld nicht nur gut angelegt, sondern auch ökologisch und sozial ausgerichtet.
Welchen Einfluss können Ausschlüsse auf Unternehmen haben?
Ausschlüsse sind ein Instrument, um unsere Anlageentscheidungen an klar definierten Kriterien auszurichten. Sie setzen das betroffene Unternehmen jedoch nicht unmittelbar unter Druck, Veränderungen umzusetzen. Gleichzeitig machen sie sichtbar, welche Geschäftsfelder oder Geschäftspraktiken wir als BEKB nicht mittragen wollen. Direkteren Einfluss auf Unternehmen können wir über Active Ownership, das heisst über Stimmrechtsausübung und Unternehmensdialog nehmen.
Wie funktionieren Stimmrechte und Unternehmensdialog konkret?
Bei der Stimmrechtsausübung (Voting) stimmen Aktionärinnen und Aktionäre an Generalversammlungen beispielsweise über die Wahl des Verwaltungsrats oder über andere Anträge ab. Bei den BEKB-Fonds werden diese Stimmrechte durch die Swisscanto Fondsleitung AG wahrgenommen. Dabei berücksichtigt Swisscanto unter anderem Standards zur Unternehmensführung sowie ökologische und soziale Kriterien. Die Abstimmungsrichtlinien und das konkrete Abstimmungsverhalten werden offengelegt und können von Interessierten nachvollzogen werden.
Beim Unternehmensdialog (Engagement) treten Investorinnen und Investoren mit Unternehmen in Kontakt und versuchen, Verbesserungen anzustossen, beispielsweise bei der Unternehmensführung, bei Umweltfragen oder bei sozialen Themen. Die BEKB beteiligt sich an Unternehmensdialogen, die gemeinsam mit weiteren Marktteilnehmern geführt werden. So können Anliegen gebündelt und mit mehr Gewicht gegenüber den Unternehmen eingebracht werden.
Kann ein Investor damit tatsächlich etwas verändern?
Das ist das Ziel. Aber auch hier gilt: Veränderungen in Unternehmen haben meistens viele Ursachen und brauchen Zeit. Ein einzelner Akteur allein kann einen solchen Fortschritt deshalb selten vollständig für sich beanspruchen.
Gerade deshalb sollten wir bei Aussagen zur Wirkung sorgfältig sein. Voting und Engagement sind Möglichkeiten, als Investor Einfluss zu nehmen. Sie sind jedoch keine Garantie dafür, dass sich ein Unternehmen tatsächlich oder in einer bestimmten Weise verändert.
Müssen Anlegerinnen und Anleger bei nachhaltigen Anlagen auf Rendite verzichten?
Diese Gegenüberstellung halte ich für zu einfach. Aus unserer Sicht muss eine nachhaltige Anlage zunächst einmal eine gute Anlage sein. Deshalb sind finanzielle Qualität, Risiko und Diversifikation auch weiterhin zentrale Bestandteile unseres Prozesses. Auch im BEKB-Nachhaltigkeitsuniversum gelangen nur Anlagen in die Portfolios, die zusätzlich die finanziellen Anforderungen erfüllen.
Umgekehrt würde ich jedoch nicht versprechen, dass eine Anlage allein aufgrund ihres Nachhaltigkeitsprofils automatisch eine höhere Rendite erzielt. Nachhaltigkeit ist kein Renditeversprechen. Vielmehr erweitert sie den Blick darauf, welche Unternehmen und Geschäftsmodelle wir langfristig in einem Portfolio halten wollen.
Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung nachhaltiger Anlagen?
Weniger Etiketten und mehr Klarheit. Die Branche hat in den letzten Jahren viel gelernt. Nachhaltigkeitsbegriffe müssen nachvollziehbar sein, damit Anlegerinnen und Anleger verstehen können, was ein Produkt tatsächlich tut.
Entscheidend ist, dass die Kriterien klar definiert, konsequent angewendet und transparent offengelegt werden. So können Kundinnen und Kunden fundiert beurteilen, ob eine Anlagelösung zu ihren Erwartungen und Wertvorstellungen passt.
Dadurch wird nachhaltiges Investieren vielleicht etwas weniger spektakulär, aber glaubwürdiger. Es geht vielmehr darum, Kapital langfristig, verantwortungsbewusst und möglichst im Einklang mit den eigenen Werten anzulegen. Und genau darin liegt für mich der Kern nachhaltigen Investierens.
Sie möchten nachhaltig anlegen? Wir helfen Ihnen gerne
Mit unseren nachhaltigen Fonds und Vermögensverwaltungsmandaten können Sie Ihr Geld gemäss klar definierten Nachhaltigkeitskriterien anlegen.