Und was tun die Banken

Ist die Welt noch zu retten?

Die Schweiz verbraucht anteilmässig dreimal mehr Ressourcen, als die Erde langfristig bieten kann. Dass das nicht so weitergehen kann, darin sind sich Politik und Wirtschaft einig. Claude Amstutz, Projektleiter beim WWF Schweiz, zeigt, wie die Finanzbranche zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt und warum sie für die Umwelt wichtig ist.

Herr Amstutz, wie steht's um die Umwelt?

Ganz ehrlich – unserem Planeten geht es schlecht. Die Bestände von Fischen, Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien sind die letzten 50 Jahre um durchschnittlich 60 Prozent zurückgegangen. Die Folgen des Klimawandels sind verheerend, verschärfen sich weiter und sind auch in der Schweiz spürbar: Überschwemmungen, Erdrutsche, Ernteausfälle, Extremwetter wie diesen Sommer. Oder der kurzfristige Fokus der Wirtschaft, die manchmal ausser dem eigenen Profit nicht viel anderes im Visier hat.

Ist das nicht ein bisschen viel Schwarzmalerei?

Gegenfrage: Die Erdbevölkerung konsumiert durchschnittlich die Ressourcen und Leistungen von 1,7 Erden. In Europa sind es sogar 3 – wir verbrauchen also dreimal so viele Ressourcen, wie die Erde jährlich erneuern kann. Wovon sollen die kommenden Generationen leben, wenn die Wirtschaft und Gesellschaft nicht bereit sind, nachhaltiger zu werden?

«Wir verbrauchen dreimal so viele Ressourcen, wie die Erde jährlich erneuern kann.»

Wir müssen also unser Konsumverhalten überdenken. Aber das wird ja zu einem wesentlichen Teil von der Anbieterseite, also der Wirtschaft, gesteuert.

Es gibt viele Möglichkeiten, im Alltag verantwortungsvoller zu leben. Zum Beispiel beim Einkaufen, beim Reisen oder in der Geldanlage. Aber es ist korrekt: Ich kann natürlich nur umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen konsumieren, wenn entsprechende Angebote verfügbar sind. Die globale Wirtschaft verbraucht einerseits sehr viele Ressourcen. Andererseits kann sie jedoch mit umweltfreundlichen Lösungen auch sehr viel bewirken.

Können Sie das genauer erklären?

Nehmen wir zum Beispiel die Finanzbranche. Banken und andere Finanzdienstleister haben mit der Art, wie sie Kredite vergeben und Investitionen tätigen einen grossen Einfluss darauf, wofür die Gelder schlussendlich verwendet werden. Sie können beispielsweise die Kreditvergabe an bestimmte Kriterien knüpfen, so dass nur Unternehmen Kredite erhalten, die selber ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen. Also Firmen, die zum Beispiel faire und familienfreundliche Arbeitsbedingungen anbieten und ihren ökologischen Fussabdruckes schrittweise verringern.

«Banken haben mit der Art, wie sie Kredite vergeben und Investitionen tätigen einen grossen Einfluss darauf, wofür die Gelder schlussendlich verwendet werden.»

Werden solche Kriterien auch bei Investitionen berücksichtigt?

Je länger je mehr. Einige Banken bieten mittlerweile nachhaltige Anlagenprodukte an. Wie sie diese auswählen und verwalten, ist bei jedem Anbieter unterschiedlich; viele schliessen von Anfang an besonders risikobehaftete Branchen mit negativer Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft, zum Beispiel die Kohleindustrie, aus. In solche Unternehmen kann dann gar nicht investiert werden. Dazu wenden die Banken weitere Filterkriterien an, so dass beispielsweise nicht in Firmen investiert wird, die in Verbindung mit Kinderarbeit oder Korruption stehen. Weiter nutzen sie nachhaltigkeitsbezogene Chancen und investieren bewusst in besonders nachhaltige Unternehmen, die mit ihren Dienstleistungen und Produkten eine nachhaltig positive Wirkung erzielen. So lenken sie die Geldströme und erzielen eine sehr grosse Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft.

Das funktioniert aber nur, wenn der Konsument das auch will – sein Geld nachhaltig anlegen, oder?

Der Finanzplatz Schweiz hat ganz klar den politischen Auftrag, nachhaltiger zu werden. So ist zum Beispiel ein Ziel des Pariser Klimaabkommens, das die Schweiz und 193 andere Staaten unterzeichnet haben, ausdrücklich festgehalten, dass die Wirtschaft einen ökologischen und gesellschaftlichen Nutzen schaffen und nachhaltiger werden muss. Gestützt auf solche wichtigen übergeordneten Ziele nimmt die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen weiter zu – warum sollte man denn nicht nachhaltig investieren wollen? Die Rendite steht den normalen Anlagen in nichts nach und die Anlagen sind längerfristig zudem weniger risikobehaftet. Gerade institutionelle Anleger wie zum Beispiel Pensionskassen scheinen die positive Wirkung von nachhaltigen Anlagen vermehrt zu erkennen und investieren ihre Gelder unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten. Und auch Private legen ihre Gelder vermehrt nachhaltig an, da sie damit einfach und direkt Verantwortung wahrnehmen können. Wichtig ist aber, dass die Banken ihre Kunden aktiv fragen, was ihnen in punkto Nachhaltigkeit wichtig ist, und ihnen passende Lösungen anbieten.

«Die Rendite von nachhaltigen Anlagen steht den normalen Anlagen in nichts nach und die Anlagen sind längerfristig zudem weniger risikobehaftet.»

Wo steht denn der Finanzplatz Schweiz?

Der WWF führt regelmässig Unternehmensratings durch und beurteilt so die Nachhaltigkeitsperformance von Firmen verschiedener Branchen. 2017 haben wir das im Rahmen des «WWF Rating des Schweizer Retailbankings 2016/2017» zum ersten Mal auch für den Bankensektor gemacht und die grössten 15 Retailbanken genauer unter die Lupe genommen und verglichen. Die Schweizer Retailbanken sind im grossen Ganzen noch nicht auf Kurs; es gibt noch viel zu tun. Wichtig ist, dass die Finanzinstitute das Thema als Chefsache deklarieren und die Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil ihres Kerngeschäfts definieren. Weiter müssen institutionelle aber auch private Anleger ihrerseits nachhaltige Anlage- und Finanzierungslösungen bei ihren Banken einfordern und somit gemeinsam Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnehmen.

Claude Amstutz

ist Senior Advisor Sustainable Finance beim WWF Schweiz. Er ist verantwortlich für die Engagement-Arbeit im Bankensektor, der 2. Säule sowie in der Asset-Management-Industrie.  Er ist der Autor des «WWF Rating des Schweizer Retailbankings», bei dem Schweizer Retailbanken auf ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung untersucht werden.

Claude Amstutz

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