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Der Weg ins nachhaltige Anlageuniversum der BEKB

Die BEKB definiert ihr eigenes Nachhaltigkeitsuniversum. Welche Kriterien und Aspekte entscheiden darüber, ob ein Unternehmen gemäss der Definition der BEKB nachhaltig ist? Zeit für einen Blick hinter die Kulissen.

Schweizer Schokolade ist weltbekannt und geniesst einen ausgezeichneten Ruf. Insbesondere in der Schweiz wird die süsse Köstlichkeit stark nachgefragt, hat die Schweiz doch weltweit den höchsten Schokoladenkonsum pro Kopf. «Schoggi» ist gewissermassen ein Stück nationale Identität und gehört zu jenen Produkten, die am häufigsten mit der Schweiz assoziiert werden.

Schokolade und Nachhaltigkeit

Die genussvolle Welt der Schokolade hat aber auch eine dunkle Seite. Kakao, ihr wichtigster Bestandteil, wird häufig unter zweifelhaften Bedingungen angepflanzt. Nicht selten wird über teilweise grobe Verletzungen von Arbeits- und Menschenrechten, wie Kinderarbeit und Menschenhandel, berichtet. 

«Für die stetig wachsende Nachfrage nach Kakao werden teilweise geschützte Wälder im grossen Stil abgeholzt.»

Trotz Bemühungen von NGOs, Konzernen und Regierungen arbeiten laut UNICEF allein an der Elfenbeinküste, dem weltweit wichtigsten Kakaoproduzenten, zur Erntezeit über eine Million Kinder auf Kakaoplantagen. Für die stetig wachsende Nachfrage nach Kakao werden teilweise geschützte Wälder im grossen Stil abgeholzt, um Platz für neue Plantagen zu schaffen. Die Lindt & Sprüngli AG ist der sechstgrösste Schokoladenproduzent der Welt und Nummer eins in der Marktnische Premiumschokolade. Das Unternehmen ist im nachhaltigen Universum der BEKB. Ein Widerspruch?

Unternehmen werden eingestuft…

Bei der Definition des nachhaltigen Universums stützt sich die BEKB auf die Analysen von ISS-oekom, einer im Gebiet der nachhaltigen Anlagen führenden Ratingagentur. Um die Nachhaltigkeitsstrategie und -performance von Unternehmen zu bewerten, werden für jede Branche bis zu 100 Kriterien definiert. In der Nahrungsmittelbranche sind beispielsweise Themen wie der Gewässerschutz und effiziente Wassernutzung, die Auswirkungen auf Böden und Biodiversität, die Arbeitsrechte entlang der Wertschöpfungskette und die Konsumentengesundheit und -sicherheit zentral, wodurch diese Kriterien entsprechend stärker gewichtet werden.

Die Analyse der Firmen resultiert schliesslich in einem Rating auf einer zwölfstufigen Skala zwischen A+ und D- (Best-in-Class-Ansatz). Ein Rating von A+ zeigt eine nicht mehr zu überbietende Leistung hinsichtlich der Umsetzung von ESG (Environment Social Governance)-Kriterien. Eine D- hingegen deutet auf eine schlechte nachhaltige Performance hin; oder aber, dass keine (verlässlichen) Informationen zu einem Kriterium verfügbar sind.

«Je grösser die negativen Auswirkungen der Branche, desto höher die Anforderungen ans Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen.»

ISS-oekom hat branchenspezifische Minimalanforderungen für den Prime-Status definiert. Dabei gilt: Je grösser die absoluten negativen Auswirkungen der Branche im Umwelt- und Sozialbereich sind, desto höher sind die Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement der Emittenten und desto höher ist somit auch die Schwelle zum Prime-Status, dem Qualitätssiegel für Unternehmen mit überdurchschnittlichen Leistungen im sozialen und ökologischen Bereich. Während also beispielsweise Unternehmen aus dem Metall- und Minensektor aufgrund ihrer exponierten Geschäftsfelder für den Prime-Status ein vergleichsweise hohes Mindestrating von B- aufweisen müssen, erreichen Unternehmen der Immobilienbranche bereits ab einem Rating C den Prime-Status.

… und auch in qualitativer Hinsicht genau untersucht

Das Rating «Prime» wird restriktiv vergeben – nur etwa 16 Prozent der bewerteten Unternehmen erreichen diesen Status, darunter auch die BEKB selbst. Beim Best-in-Class-Ansatz werden keine Branchen per se ausgeschlossen. Dies kann in einem weiteren Schritt durch ein «Negativ-Screening» und anhand von definierten Ausschlusskriterien erfolgen.

«Trotz Kontroversen in der Schokoladenbranche ist es vertretbar, dass ein Unternehmen aus dieser Branche im nachhaltigen Universum der BEKB anzutreffen ist.»

Um auf das eingangs erwähnte Beispiel zurückzukommen: Trotz Kontroversen in der Schokoladenbranche ist es durchaus vertretbar, dass ein Unternehmen aus ebendieser Branche im nachhaltigen Universum der BEKB anzutreffen ist, sofern die eingehende qualitative Untersuchung positiv ausfällt. Als eine Branchenführerin trägt Lindt & Sprüngli nämlich mit gezielten Massnahmen dazu bei, nachhaltige Verbesserungen in dieser Branche zu bewirken. So ist das Unternehmen etwa Mitglied des UN Global Compact – eines Abkommens zwischen Unternehmen und der UNO mit dem Ziel, die Globalisierung ökologischer und sozialer zu gestalten. Lindt & Sprüngli hat sich u.a. dazu verpflichtet, die Menschenrechte einzuhalten und zu respektieren und jegliche Art von Diskriminierung, Zwangsarbeit und Kinderarbeit auszuschliessen. Kakao-Bauern werden zu nachhaltigen Anbaumethoden beraten und geschult. Als Mitglied des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) kauft Lindt & Sprüngli ausserdem zu 100 Prozent Palmöl mit RSPO-Zertifikat ein. Es bestehen klare Energieziele und die Treibhausgasemissionen sind seit Jahren rückläufig.

Die Experten schauen genau hin

Mit einem Rating von C- liegt Lindt & Sprüngli zwei Stufen unter dem «Prime»-Schwellenwert der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (C+). Der Fokus des nachhaltigen Ansatzes der BEKB hingegen liegt auf Unternehmen mit dem Status «Prime». Eine Stufe darunter (»Prime-1») wird ebenfalls berücksichtigt. Folglich wäre Lindt & Sprüngli nicht für das nachhaltige Universum der BEKB vorgesehen.

«Der Fokus des nachhaltigen Ansatzes der BEKB liegt auf Unternehmen mit dem Status Prime.»

Allerdings sieht der BEKB-Nachhaltigkeitsansatz vor, dass aus Diversifikationsgründen bei der Portfoliokonstruktion in Ausnahmefällen und nach eingehender qualitativer Untersuchung auf Titel mit einem «Prime-2»-Rating ausgewichen werden kann. Diverse Punkte schauen die Experten der BEKB bei der Diskussion zur Aufnahme oder Ablehnung eines Titels genauer an: Das Unternehmen darf nicht in den von der BEKB ausgeschlossenen Geschäftsfeldern (u.a. fossile Brennstoffe, Rüstung) tätig sein, es darf nicht in kontroverse Geschäftspraktiken (z.B. grobe Menschenrechtsverletzungen) verwickelt sein und es darf das Mindestrating C- nicht unterschreiten. Neben diesen «Must-Kriterien» werden auch qualitative Aspekte berücksichtigt. So ist relevant, wie sich bspw. ein Rating über die Zeit entwickelt und ob sich das Unternehmen in den untersuchten Kategorien eher verbessert oder verschlechtert hat. Ebenfalls wird analysiert, wie schwerwiegend bestehende Kontroversen einzuordnen sind und ob allenfalls bereits konkrete Massnahmen ergriffen wurden, um Verstösse zu korrigieren und zukünftige zu vermeiden.

Aufnahme von Lindt & Sprüngli

Über eine Aufnahme von Lindt & Sprüngli ins Nachhaltigkeitsuniversum wurde intensiv diskutiert und schliesslich hat sich die Arbeitsgruppe Nachhaltige Geldanlagen zugunsten einer Aufnahme des Titels entschieden. Die Titeldiversifikation konnte durch die Aufnahme verbessert werden. Das Unternehmen ist von keinem Ausschlusskriterium der BEKB betroffen und das Minimalrating von C- wird nicht unterschritten. Die Ratings haben sich in den letzten Jahren verbessert, der Kontroversen-Score ist im Branchenvergleich sehr tief und grobe Verletzungen und Verstösse sind keine bekannt.  Weiter unternimmt das Unternehmen glaubhafte Bestrebungen, um negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu reduzieren.

«Die BEKB verfolgt die Titel im nachhaltigen Universum sehr eng.»

Das nachhaltige Anlageuniversum der BEKB ist aber nicht starr, sondern wird quartalsweise angepasst durch Aufnahmen und Absetzungen von Titeln. Schwere Kontroversen, die während dem Quartal bekannt werden, können zu einer sofortigen Absetzung des Titels führen. So werden Titel im nachhaltigen Universum eng verfolgt und bei Veränderungen neu überprüft und nötigenfalls (wieder) ausgeschlossen.

Im Interview mit Portfoliomanagerin Claudia Lanker erfahren Sie mehr dazu, wie die Arbeitsgruppe «Nachhaltiges Anlegen» den BEKB-Nachhaltigkeitsansatz weiterentwickelt.

Nachhaltig anlegen? Ja gärn!

Eine Geldanlage, die eine starke Rendite bringt und gleichzeitig Gutes bewirkt? Mit den nachhaltigen Anlagemöglichkeiten der BEKB investieren Sie in eine lebenswerte Zukunft – wirtschaftlich, sozial und ökologisch.