Nachhaltigkeit

«Die zunehmende Blindheit trübt meine Lebensfreude nicht»

Er bewahrt seine Freude auch in schweren Zeiten: Philippe Tanner, Privatkundenberater in der Niederlassung Malleray, leidet an einer unheilbaren Augenkrankheit. Licht sieht er dank den Menschen um ihn herum.

Von einem Telefon zum nächsten, vom Blick ins Portefeuille zum Prüfen der Mails. Wenn Philippe Tanner an seinem Arbeitsplatz sitzt, trudeln die Aufgaben im Minutentakt herein. Der Kopf des Chefs taucht im Türrahmen auf: Ob alles in Ordnung sei oder ob er seine Hilfe benötige? «Alles gut bis jetzt», sagt Philippe Tanner mit einem Lachen. Und dann, als der Kopf wieder weg und die Tür zu ist, schiebt er nach: «Hier kümmern wir uns umeinander, das ist nicht nur heute so.» Für den Kundenberater in der Niederlassung Malleray steht sogar fest: «Für mich ist das hier wie eine Familie.» Es ist ein Satz, den man immer wieder liest, in den Zeitungsspalten eines Unternehmensporträts etwa. Vielleicht weil er gut klingt. Oder weil man glaubt, damit einer Erwartung zu entsprechen. So auch Philippe Tanner? Er winkt energisch ab. Nein, für ihn ist das kein Satz, den er aus Berechnung sagt. Er meint ihn ganz genau so.

  • Was Philippe Tanner sieht, ist einer schmalen Tunnelöffnung ähnlich.

    Was Philippe Tanner sieht, ist einer schmalen Tunnelöffnung ähnlich.

  • Seine Teamgspändli sieht Philippe Tanner als Glücksfall.

    Seine Teamgspändli sieht Philippe Tanner als Glücksfall.

  • Das Büro und die Arbeitsgeräte sind genau auf Philippe Tanners Bedürfnisse abgestimmt.

    Das Büro und die Arbeitsgeräte sind genau auf Philippe Tanners Bedürfnisse abgestimmt.

  • Philippe Tanner, BEKB-Privatkundenberater in Malleray, leidet an einer unheilbaren Augenkrankheit.

    Philippe Tanner, BEKB-Privatkundenberater in Malleray, leidet an einer unheilbaren Augenkrankheit.

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Traum löst sich auf 

Warum sein Team wie eine Familie für ihn ist, dafür muss man mehr als 20 Jahre zurückgehen. In die Zeit, wo er das Leder noch nicht vom Bürostuhl gekannt hat – sondern von seinem liebsten Arbeitsgerät: dem Fussball. In jungen Jahren ist der Sport auf dem Rasen sein Ein und Alles. Neben der Schule investiert der Bernjurassier jede freie Minute in sein Hobby, das mehr als ein solches werden soll. Als Profi auf dem Rasen zu stehen, das ist sein grosser Traum. Und dafür hat er nicht die schlechtesten Karten. In seiner Heimatgemeinde St-Imier ist Philippe Tanner bereits als Junior vollwertiges Mitglied in der 1. Mannschaft. Jenem Team, das zu der Zeit in der zweiten Liga spielt. Dabei liegt durchaus noch mehr drin: Als 14-Jähriger kickt er in Auswahl des Kantons Neuenburg. Der Profi-Anwärter hat keine Beisshemmungen, er gibt sich voll in den Sport rein. Bis sich die ersten Symptome zeigen. Das Sehfeld beginnt vor den Augen zu verschwimmen, der Schwindel macht jede präzise Bewegung zu einem Kraftakt. «Es war dann schnell klar, dass es so nicht mehr geht», erinnert sich Philippe Tanner, «ich musste mit dem Fussball aufhören.» 

Der Störenfried in den Teenager-Jahren nennt sich «retinitis pigmentosa». Eine erbliche Augenerkrankung, welche die Netzhautzellen allmählich absterben lässt. Wie bei Philippe Tanner zeigen sich die ersten Symptome bereits in jungen Jahren, das Augenlicht nimmt daraufhin über viele Jahre ab, bis am Ende meist die Erblindung steht. Aussicht auf Heilung gibt es nicht. Heute, lange Zeit nach den Erfolgen auf dem Fussballplatz, ist die Erkrankung bei Philippe Tanner weit fortgeschritten. Sein Gesichtsfeld ist stark eingeschränkt; was er sieht, ist einer schmalen Tunnelöffnung ähnlich. 

Zurück an den Anfang

Auch wenn mittlerweile viele Jahre vergangen sind, ist dem 35-Jährigen die Zeit der sportlichen Höhenflüge noch sehr präsent: «Es gibt Momente, wo ich den Fussball vermisse.» Trotzdem ist er überzeugt, dass das, was er heute tut, im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste ist. «Bei der BEKB kann ich etwas bewirken, mich einbringen, und ich liebe den Kontakt zu den Menschen.» Dem Fussballtraum folgte damals eine Phase der Orientierung mit einigen Abstechern hier und dort, bevor Philippe Tanner bei der BEKB angefangen hat. So, wie auch schon ein Onkel und ein Cousin vor ihm. Und nächstes Jahr steht schon das 20-jährige Dienstjubiläum an. Die meiste Zeit davon, nämlich 13 Jahre, hat der Berner als Berater Privatkunden in der Niederlassung Malleray verbracht.

Damit Philippe Tanner der Arbeit weiter nachgehen kann, hat er mit Spezialisten vorgesorgt. Sein Büro ist genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Auf dem Tisch steht eine Lampe, die besonders helles Licht spendet und so dem schwindenden Augenlicht entgegenwirkt. In einer hinteren Ecke ist ein Vergrösserungsgerät aufgebaut, das nahe an Dokumente heranzoomen lässt. Der Computer ist mit einer spezialisierten Software ausgestattet; der Cursor fährt dank farblicher Markierung fast nie aus dem Sichtfeld, eine Anwendung liest Texte automatisch vor.

Mensch schlägt Technik

Die technischen Hilfsmittel sind nützlich, aber Philippe Tanner weiss, sie genügen nicht. «Es braucht auch die Menschen, damit ich meinen geschäftlichen Alltag weiterleben kann». Den Leiter der BEKB Niederlassung Malleray, Denis Roth, und die Kollegin und den Kollegen aus dem Team sieht er als Glücksfall. Sie helfen, wo er es braucht, bremsen ihn, wenn er wieder einmal eine Pause übergehen will. In der Dunkelheit führt ihn der Chef wie selbstverständlich am Arm, im Restaurant füllt ihm die Arbeitskollegin ohne zu bitten den Teller, weil er im schummrigen Licht des Buffets fast nichts erkennen kann. Es sind kleine Gesten wie diese, die am Ende Grosses ausmachen. Und es ist das, was Philippe Tanner meint, wenn er von einer Familie spricht.

«Wenn die Kollegen das sehen, dann dürfen sie auch einmal lachen.»

Dass Lust und Freude im Alltag weiter viel Raum haben, liegt an der offenen Art, mit seiner Einschränkung umzugehen. Im Team tabuisiert Philippe Tanner nichts. Dazu gehört auch, es zuzulassen, wenn aus der Krankheit Komik entsteht. Es passiere nun einmal, dass er hin und wieder in eine Tür oder in einen Schrank hineinlaufe. «Und wenn die Kollegen das sehen, dann dürfen sie auch einmal lachen.» Wenn er von aussen zusehen könnte, dann wisse er, dass es ihm genauso gehen würde. 

Freude überwiegt

Quell der Freude sei zum einen die Arbeit selber. «Es ist wichtig, dass ich weiter am aktiven Berufsleben teilhaben und dabei etwas bewegen kann.» Philippe Tanner ist der BEKB dankbar, dass sie ihm auf seinem Weg unterstützt. Etwa dadurch, dass sie ihm vor drei Jahren ein Pensum von 50 Prozent angeboten hat, weil er nicht mehr voll arbeitsfähig ist. Daneben schöpft er viel Kraft aus seinem Glauben. Dank ihm kann er seine Situation heute akzeptieren statt mit ihr zu hadern. Und natürlich ist da noch seine eigentliche Familie, seine Frau und die drei Kinder, das älteste fünf Jahre und das jüngste sechs Monate alt. «Ich geniesse die Zeit mit ihnen sehr.» Für Philippe Tanner macht der Segen des Familienlebens die Folgen der Krankheit bei weitem wett, «denn Familie ist ein Glück, das andere vielleicht gar nie erleben.»

«Wenn ich es gut habe und zufrieden bin, dann kann ich alles akzeptieren, was kommt.»

Der Familienvater weiss nicht, wie lange er noch sehen und ob er dem Job auch in Zukunft noch nachgehen kann. Vielleicht gebe es dereinst technische Entwicklungen, die das Arbeiten weiter möglich machen. «Es ist eine Frage, die ich mir stelle, aber sie macht mir keine Angst.» Letztlich sei für ihn nicht entscheidend, ob er sehen kann, sondern ob das Leben in der Zukunft ein gutes sei. «Wenn ich es gut habe und zufrieden bin, dann kann ich alles akzeptieren, was kommt.» Die Voraussetzungen dazu könnten besser kaum sein. Denn Philippe Tanner hat nicht nur eine Familie. Sondern gleich zwei.

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