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Drei rollstuhlgängige Rundwege in Kandersteg

Die Natur in Kandersteg hindernisfrei erleben – das ist jetzt auch für Menschen im Rollstuhl möglich. Dank dem Einsatz von Privatpersonen, Behindertenorganisationen, Serviceclubs und dem BEKB Förderfonds.

Es ist eine dieser Erfolgsgeschichten, die zustande kommen, wenn alle am selben Strick ziehen. Die Idee: drei hindernisfreie Rundwege für Menschen im Rollstuhl in Kandersteg. Die Umsetzung: ein Gemeinschaftswerk. Wie es dazu kam, erfahren Sie vom Mitinitiator Gerhard Schreier.

Herr Schreier, Sie wohnen in Zollikon – was ist Ihre Verbindung zu Kandersteg?
Unsere Familie besitzt in der dritten Generation ein Ferienhaus in Kandersteg. Meine Frau war bereits als Baby dort, ich selber bin schon mehr als 50 Jahre mit diesem intakten Bergdorf verbunden. Wir haben eine enge Beziehung zu Kandersteg und hier mittlerweile viele Freunde und Bekannte gefunden.

Zusammen mit einem Projektteam haben Sie ein Projekt zur Sanierung dreier Rundwege in Kandersteg gestartet, so dass sie hindernisfrei sind. Was hat Sie dazu bewegt?
Mit unserer schwer behinderten, an den Rollstuhl gebundenen Tochter waren wir als Familie in der Mobilität immer sehr eingeschränkt. Da war das Ferienhaus in Kandersteg wie ein Geschenk des Himmels. Während wir jahrelang immer wieder mit unserer Ältesten im Rollstuhl auf Kanderstegs Spazierwegen unterwegs waren, reifte in uns die Idee, dass der weitgehend ebene Talboden ideal wäre, um die Wege hindernisfrei zu gestalten.

Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Eröffnung?
Im Frühsommer 2016 haben meine Frau und ich unsere Idee dem Gemeinderat von Kandersteg vorgetragen und sind damit sofort auf offene Ohren gestossen. Im Spätsommer 2017 kam der Stein ins Rollen und im Verlauf des Jahres 2018 stellte der Gemeinderat die erforderlichen Weichen, sodass wir mit der intensiven Suche nach Gönnern beginnen konnten. Im September 2018 waren die Wege fertiggestellt. Etwas Zeit benötigte noch die Erfassung und Aufarbeitung der Daten für die Aufschaltung der Rundwege auf der Internet-Plattform von SchweizMobil. Seit diesem Frühjahr sind die drei Rundwege dort unter der Rubrik «hindernisfreie Wege» unter den Nummern 441, 442 und 443 aufgeführt. Am 19. Juni 2019 wurden die Rundwege mit einer kleinen Feier offiziell eingeweiht.

  • Auf jedem der drei Rundwege hat es eine Spezialbank für Rollstuhlfahrer und Begleitpersonen

    Auf jedem der drei Rundwege hat es eine Spezialbank für Rollstuhlfahrer und Begleitpersonen

  • 442: Oeschigässli-Kander-Rundweg

    442: Oeschigässli-Kander-Rundweg

  • 443: Öschiwald-Rundweg

    443: Öschiwald-Rundweg

  • Insgesamt drei hindernisfreie Rundwege stehen zur Verfügung

    Insgesamt drei hindernisfreie Rundwege stehen zur Verfügung

  • 441: Wageti-Rundweg

    441: Wageti-Rundweg

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Wie wurden die Wanderwege saniert? Was wurde sonst noch gemacht?
Die notwendigen Anpassungsarbeiten umfassten nicht nur die sofort ins Auge springende Feinplanie auf den Wegen, sondern auch das Entfernen von störendem Wurzelwerk, das Anbringen hindernisfrei befahrbarer Regenrinnen und das Absenken von Trottoirs. Zudem steht auf jedem der drei Wege eine Spezialbank, auf der sowohl Rollstuhlfahrer als auch Begleitpersonen Platz nehmen können. Ausserdem war uns wichtig, das Projekt bekannt zu machen. Denn es nützt nichts, schöne Rollstuhl-Wege in einer erhabenen Landschaft zu haben, wenn niemand davon weiss. So entstanden die Beschriebe der drei Routen für die Website von SchweizMobil und die Broschüre für Kandersteg Tourismus.

«Hinter den Kulissen gab es ebenfalls eine Menge zu tun.»

Wer hat die Sanierung gemacht? Unternehmen aus der Umgebung? Freiwillige?
Das Entfernen der Wurzelwerke, die Planierung der Wege, das Erstellen rollstuhlgerechter Regenrinnen und das Absenken von Trottoirs wurden durch eine örtliche Bauunternehmung ausgeführt.

Haben Sie bei der Sanierung selbst auch mit angepackt?
Mit Pickel und Schaufel war ich nicht unterwegs. Stattdessen habe ich mich der Aufgaben hinter den Kulissen angenommen. Und da gab es ebenfalls eine Menge zu tun. 

Was waren schöne Erlebnisse beim Projekt?
Am meisten beeindruckt haben meine Frau und mich die effiziente und zielgerichtete Zusammenarbeit innerhalb des klein gehaltenen, ehrenamtlichen Projektteams sowie die grossartige Unterstützung durch den Gemeinderat. Ausserdem hat uns beeindruckt, wie alle in das Projekt involvierten Personen engagiert und ohne Zeitverzug mitgewirkt haben. Und last but not least war für uns die äusserst grosszügige Unterstützung des Projektes durch die unterschiedlichsten Gönner eine riesige Überraschung und Freude.

«Über 90 Prozent der Kosten konnten wir mit Spenden decken.»

Wie wurde die Sanierung der Wanderwege finanziert? Was hat sie gekostet?
Erst als wir alle Anforderungen kannten, konnten wir ein detailliertes Budget aufstellen. Es fiel knapp sechsstellig aus und ab da war uns klar, dass wir Sponsoren für die Finanzierung brauchten. Ohne sie wäre eine Realisierung kaum denkbar gewesen. Umso erfreuter sind wir natürlich, dass wir über 90 Prozent der Gesamtkosten mit Spenden decken konnten.

Wie sind Sie auf den BEKB Förderfonds gestossen?
Wie eingangs erwähnt, haben wir in Kandersteg einen grossen Freundes- und Bekanntenkreis. Zu diesem zählt auch der frühere Niederlassungsleiter der BEKB Kandersteg. Er hat uns auf den BEKB Förderfonds aufmerksam gemacht und uns den Zugang verschafft.

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