Famillie
Finanzkompetenz bei Kindern: So lernen Kinder den Umgang mit Geld
Im Jahr 2022 waren rund 14 % der Personen, die in einem Haushalt mit Kindern lebten, von mindestens einem Zahlungsrückstand betroffen. In Einelternhaushalten traf dies fast auf jede fünfte Person zu (Quelle: Bundesamt für Statistik, SILC 2022). Finanzielle Schwierigkeiten können viele Ursachen haben. Umso wichtiger ist es, Kindern früh einen bewussten Umgang mit Geld zu vermitteln.
Das beginnt im Alltag: beim Einkaufen, mit dem ersten Sackgeld, beim Sparen für einen Wunsch oder später mit dem ersten eigenen Budget. Dabei brauchen Kinder nicht für jede Ausgabe Kontrolle. Vielmehr geht es darum, ihnen Schritt für Schritt Verantwortung zu übertragen und ihnen zu zeigen, wie sie ihr Geld einteilen, planen und bewusst einsetzen können.
5 Dinge, die Kinder über Geld lernen sollten
1. Geld ist begrenzt
Ein begrenzter Betrag setzt automatisch Prioritäten. Wer heute sein ganzes Geld ausgibt, hat morgen weniger zur Verfügung.
Für Kinder wird dieser Zusammenhang besonders verständlich, wenn sie ihn selbst erfahren. Wenn das Taschengeld beispielsweise schon zu Beginn der Woche aufgebraucht ist, müssen die Eltern nicht zusätzliches Geld geben. Interessanter ist es, gemeinsam zurückzuschauen: Wofür wurde das Geld ausgegeben? War der Kauf wichtig? Würde das Kind beim nächsten Mal anders vorgehen? So wird aus einem kleinen Fehlentscheid eine wertvolle Erfahrung.
2. Wünsche brauchen Planung
Kinder und Jugendliche wünschen sich vieles: ein Spiel, neue Kleidung, ein Smartphone oder etwas Besonderes für die Ferien. Zwischen einem Wunsch und seiner Erfüllung kann deshalb ein wichtiger Lernschritt liegen.
Ein konkretes Sparziel macht diesen Prozess sichtbar. Wer beispielsweise 200 Franken für einen Wunsch benötigt, kann zunächst schauen, wie viel bereits vorhanden ist. Anschliessend lässt sich überlegen, welcher Betrag regelmässig zurückgelegt werden könnte und wie lange es bis zum Ziel dauert. So entsteht allmählich ein Verständnis für den Unterschied zwischen «Ich möchte es» und «Ich kann es mir leisten».
3. Auch laufende Kosten zählen
Der Kaufpreis ist nicht immer die einzige Ausgabe. Ein Smartphone verursacht beispielsweise nicht nur bei der Anschaffung Kosten. Auch Abo, Zubehör oder Reparaturen können zusätzliche Kosten verursachen. Dasselbe gilt später für grössere Ausgaben wie ein Fahrzeug: Versicherung, Unterhalt und weitere laufende Kosten müssen ebenfalls ins Budget einkalkuliert werden. Eine wichtige Frage lautet deshalb: Was kostet mich etwas nicht nur heute, sondern auch in Zukunft?
4. Ein Budget schafft Überblick
Mit zunehmendem Alter wird ein eigenes Budget immer wichtiger. Jugendliche sollten spätestens mit dem ersten eigenen Einkommen wissen:
- Wie viel Geld kommt regelmässig herein?
- Welche Ausgaben sind fix?
- Wie viel bleibt für Freizeit und Wünsche?
- Wie viel möchte ich sparen?
- Welche zusätzlichen Ausgaben könnten dazukommen?
Dafür braucht es noch keine komplizierte Tabelle. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche einen realistischen Überblick über ihr Geld bekommen und lernen, Einnahmen und Ausgaben aufeinander abzustimmen.
5. Fehler gehören zum Lernen dazu
Finanzkompetenz entsteht nicht durch perfekte Entscheidungen. Wer sein Geld zu schnell ausgibt oder einen Kauf später bereut, kann daraus lernen.
Gerade beim Sackgeld erfahren Kinder, dass der erhaltene Betrag für einen bestimmten Zeitraum reichen muss. Eltern müssen deshalb nicht jede Konsequenz abfedern.
Das bedeutet allerdings nicht, Kinder mit finanziellen Problemen allein zu lassen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer sinnvollen Lernerfahrung und einer Situation, in der Unterstützung notwendig ist.
Taschengeld: Erste eigene Erfahrungen mit Geld
Sackgeld gibt Kindern einen geschützten Rahmen, um den Umgang mit Geld zu üben. Sie können selbst entscheiden, ob sie ihr Geld ausgeben, sparen oder für einen grösseren Wunsch zurücklegen wollen.
Wichtig ist vor allem, dass Kinder tatsächlich Verantwortung für einen Teil ihres Geldes übernehmen können. Höhe und Rhythmus sollten zum Alter und zur Entwicklung des Kindes sowie zur finanziellen Situation der Familie passen.
Es kann hilfreich sein, das Geld gedanklich oder tatsächlich in verschiedene Bereiche aufzuteilen, beispielsweise für Ausgaben, Sparziele und grössere Wünsche. So wird ihnen bewusst, dass sie nicht das gesamte Geld sofort ausgegeben müssen.
Sackgeld sollte möglichst verlässlich sein und nicht als Druckmittel eingesetzt werden. Wenn die Auszahlung ständig an Verhalten oder Leistungen geknüpft wird, ist es schwieriger, einen eigenständigen und verlässlichen Umgang mit Geld zu lernen.
Jugendlohn: Mehr Verantwortung im Teenageralter
Mit zunehmendem Alter können Jugendliche mehr Verantwortung für bestimmte Ausgaben übernehmen. Der Jugendlohn kann dabei den nächsten Schritt zwischen Sackgeld und dem ersten eigenen Einkommen bilden.
Die Jugendlichen erhalten einen vereinbarten Betrag und übernehmen dafür bestimmte Ausgaben selbst. Gemeinsam wird festgelegt, welche Kosten dazugehören und wie das Geld eingeteilt werden soll.
So lernen Jugendliche, ein Budget zu planen, Prioritäten zu setzen und mit ihrem verfügbaren Geld auszukommen. Wichtig ist, dass Eltern und Jugendliche vorher klar vereinbaren, welche Ausgaben vom Jugendlohn bezahlt werden und welche die Eltern weiterhin übernehmen. Im Laufe der Zeit kann die Verantwortung schrittweise erweitert werden.
Schulden vermeiden: Was Kinder und Jugendliche wissen sollten
Eine zentrale Erkenntnis lautet: Wer Geld leiht, kann zwar früher etwas kaufen, muss den Betrag aber später zurückzahlen. Genau dieses Verständnis ist eine wichtige Grundlage, um Schulden langfristig zu vermeiden. Eltern können ihre Kinder dabei unterstützen, indem sie das Thema früh und verständlich ansprechen.
Für Jugendliche können insbesondere die folgenden Formen relevant werden:
- Ratenzahlung und «Buy now, pay later»: Die Zahlung wird aufgeschoben, die Ausgabe bleibt aber bestehen.
- Kreditkarten: Die Ausgaben müssen zurückbezahlt werden, idealerweise den vollen Betrag bei Rechnungsstellung. Bei Teilzahlungen können zusätzliche Kosten entstehen.
- Leasing: Statt etwas zu kaufen, bezahlt man regelmässig einen Fixbetrag für die Nutzung.
- Käufe auf Rechnung: Die Rechnung kommt später, muss aber trotzdem ins Budget passen.
- Unerwartete Ausgaben: Eine ungeplante Rechnung kann ein knappes Budget schnell belasten.
Die wichtigste Regel ist deshalb einfach: Erst prüfen, ob etwas ins Budget passt – dann kaufen.
Finanzielle Schwierigkeiten haben allerdings nicht immer mit Konsumentscheidungen zu tun. Krankheit, Arbeitslosigkeit oder unerwartete Ausgaben können beispielsweise dazu führen, dass das Einkommen plötzlich nicht mehr für alle Kosten reicht. Finanzkompetenz bedeutet deshalb mehr als nur Schuldenprävention: Es geht auch darum, die eigene finanzielle Situation einzuschätzen und bei Bedarf Unterstützung zu suchen.
Sparen und Rücklagen: Warum eine Reserve wichtig ist
Sparen bedeutet nicht nur, Geld für einen bestimmten Wunsch zurückzulegen. Rücklagen können später auch dabei helfen, unerwartete Ausgaben zu bewältigen.
Ein defekter Laptop, eine Autoreparatur oder ein vorübergehend niedrigeres Einkommen können das Budget schnell belasten. Wer etwas Geld zurückgelegt hat, kann solche Ausgaben zumindest teilweise aus eigenen Mitteln bezahlen und muss nicht so schnell auf Kredit oder Ratenzahlung zurückgreifen.
Wie viel zurückgelegt werden kann und sollte, hängt von der persönlichen und familiären Situation ab. Auch kleine, regelmässige Beträge können sinnvoll sein. Entscheidend ist zunächst die Gewohnheit: nicht alles ausgeben, sondern regelmässig einen Teil zurücklegen.
Bei Kindern geht es dabei weniger um den Aufbau einer grossen Notreserve als um die Erfahrung, dass Sparen Zeit braucht und finanzielle Sicherheit nicht nur durch das unmittelbar verfügbare Geld entsteht.
Was tun, wenn das Geld nicht reicht?
Wenn das Geld regelmässig nicht ausreicht, lohnt es sich, gemeinsam das Budget zu überprüfen. Eltern können gemeinsam mit ihrem Kind folgende Fragen klären:
- Wofür wurde das Geld ausgegeben?
- Welche Ausgaben waren geplant?
- Welche kamen spontan dazu?
- Was war besonders wichtig?
- Ist das Budget realistisch?
Gelegentliche Geldknappheit kann für Kinder eine wertvolle Lernerfahrung sein. Sie lernen, dass Geld eingeteilt werden muss und nicht jederzeit zusätzlich zur Verfügung steht.
Entstehen jedoch unbezahlte Rechnungen, Schulden oder wiederkehrende finanzielle Probleme, sollten Eltern frühzeitig das Gespräch suchen. Budgetberatung Schweiz bietet beispielsweise Budgetvorlagen und Budgetbeispiele an. Je nach Situation kann auch eine professionelle Beratung sinnvoll sein.
Wichtig ist dabei, finanzielle Schwierigkeiten nicht mit persönlichem Versagen gleichzusetzen. Hilfe zu holen, wenn das eigene Geld nicht reicht, gehört ebenfalls zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geld.
Eltern als Vorbilder: Finanzkompetenz im Alltag vermitteln
Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit Geld umgehen. Sie bekommen mit, ob Preise verglichen, Rechnungen pünktlich bezahlt oder grössere Anschaffungen geplant werden. Dabei müssen Eltern nicht perfekt sein. Sie können Finanzkompetenz selbstverständlich im Alltag vorleben:
- «Wir vergleichen zwei Angebote.»
- «Für die Ferien sparen wir jeden Monat etwas.»
- «Nur weil etwas im Sale ist, heisst das nicht, dass wir etwas kaufen müssen.»
- «Das passt momentan nicht in unser Budget.»
Solche Gespräche zeigen Kindern, dass Geld mit Prioritäten und Planung verbunden ist. Je nach Alter können Eltern ihre Kinder dabei einbeziehen, beispielsweise beim Preisvergleich beim Einkaufen oder bei der Frage, warum eine grössere Anschaffung geplant oder noch aufgeschoben wird.
So wird Finanzkompetenz zu einem selbstverständlichen Teil des Familienalltags und Kinder lernen Schritt für Schritt, mit Geld bewusst und selbstständig umzugehen.
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